Die Kapelle Klein Linde (Landkreis Prignitz)

Kapelle Klein Linde 
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Kapelle Klein Linde
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In dem Buch "Die evangelische Kirche der Kurmark" von 1932 wird sie bei der Beschreibung des Kirchenkreises Perleberg mit nur einem Satz erwähnt: "Der kleinste zum Gottesdienst benutzte Raum ist wohl die Gruftkapelle in Klein-Linde, in der Glieder der Familien Seebald und von Karstädt ihre letzte Ruhe gefunden haben."

Und doch ist die Kapelle von Klein Linde etwas besonderes. Erbaut wurde sie 1736 auf Veranlassung des damaligen Patrons Siegmund Seebald, seines Zeichens Zoll- und Salzdirektor zu Wittenberge, der das Gut gerade zwei Jahre vorher erworben hatte. Das heutige Dorf Klein Linde war damals lediglich ein Schäfereivorwerk, errichtet auf einer wüsten mittelalterlichen Feldmark.

Einige Jahrzehnte nach Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte die arg mitgenommene Prignitz sich wirtschaftlich etwas erholt; auch die zerstörten Kirchen konnten wieder aufgebaut und vereinzelt sogar "Neubauten" errichtet werden. In Schilde entstand 1723 der barocke Fachwerkturm, in Bresch wurde der verbretterte, eingezogene Westturm 1726 errichtet, die alte Wetterfahne der Kirche in Dergenthin zeigte die Jahreszahl 1749. Zu dieser Zeit wurde also auch die Kapelle in Klein Linde gebaut und zwar als verputzter zentraler Fachwerkbau über fast quadratischem Grundriss mit einem mittig angeordneten schiefergedeckten Glockentürmchen über dem zeltartigen Walmdach. Damit ist die Kapelle der einzige barocke Putzbau in der Prignitz.

Trotz seiner Einzigartigkeit ist das Denkmal jedoch seit längerem dem Verfall preisgegeben und droht endgültig verlustig zu gehen, wenn nicht bald Sicherungsarbeiten ausgeführt werden. Die jedoch sind alles andere als leicht zu bewerkstelligen, ist doch schon die Frage nach dem verantwortlichen Bauherren schwierig zu beantworten. Nach der Auflösung der Patronatsverhältnisse im Jahre 1946 kam die Kapelle als Teil des aufgelösten Gutes in staatlichen Besitz. Genutzt wurde sie nicht mehr und verfiel durch Witterungseinflüsse und mutwillige Zerstörung. 2003 wurde die Kapelle mit dem zugehörigen Grundstück von der Bodenverwaltungs- und -verwertungs GmbH (BVVG), einer Treuhand-Nachfolgegesellschaft, an den Naturschutzfonds Brandenburg übertragen. Dieser wiederum fühlte sich mit dem maroden Bauwerk überfordert und gab es an die BVVG zurück. Gegenwärtig wird eifrig nach einem neuen Eigentümer und Nutzer gesucht.

1994 /95 konnten, finanziert von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises und dem Kirchenkreis, Notsicherungsarbeiten durchgeführt werden. Damals wurden auch Teile des Inventars ausgelagert. Die Glocke von 1738 befindet sich heute im Heimatmuseum Perleberg. Die barocke Kanzel ist ausgelagert, der wunderschöne Sandsteinepitaph für Katharina Sophia Seebald, geb. Ludewig, die Ehefrau des Erbauers der Kapelle, in einer Restaurierungswerkstatt sichergestellt.

Die Notsicherung schuf etwas Zeit, doch inzwischen ist der Zustand der Kapelle alarmierend. Die Rückwand ist bereits eingestürzt, Teile der Dachkonstruktion sind zerstört.

Für März hat der Förderkreis Alte Kirchen zu einem Ortstermin eingeladen, um gemeinsam mit Institutionen und interessierten Bürgern der Region über die Zukunft der Kapelle von Klein Linde zu beraten.


Zum Weiterlesen: Dorf- und Förderverein Klein Linde e.V.

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