Die Dorfkirche von Hermsdorf bei Ruhland (Oberspreewald-Lausitz)

2009 Großbildansicht
 
2012Fotos: Dr. Hans KragGroßbildansicht

Erstmalig urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahr 1460 als "Hermansdorff" im Besitz der Familie von Gersdorff. Mit Sicherheit gab es zu dieser Zeit auch bereits ein Kirchengebäude im Dorf, das als Filialort von Ruhland aus betreut wurde und innerhalb des Bistums Meißen zum Archidiakonat Oberlausitz gehörte. Als erster Seelsorger nach der Reformation wird bereits 1540 Mattheus Zschorne genannt, von dem es in der Chronik des Nachbarortes Kroppen heißt: "Vorher Schulmeister, ward er 1540 von Dr. Pomerano zu Wittenberg zum Diaconus nach Ruhland geweiht."

Eine entscheidende Veränderung erfuhr der ursprüngliche Feldsteinbau in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts. Durch den Anbau von zweigeschossigen Patronatslogen aus Backstein auf der Nord- und Südseite erhielt der Bau einen kreuzförmigen Grundriss; zudem wurde im Westen ein barocker Dachturm mit Schweifhaube und offener Laterne aufgesetzt.

Im flachgedeckten, von einer Doppelempore umzogenen Innenraum stammt ein barocker Ädikula-Altar mit einer gemalten Darstellung des Abendmahls noch aus dem Ursprungsbau, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde er allerdings zum Kanzelaltar umgestaltet. Mehrere Grabdenkmäler des 17. und 18. Jahrhunderts erinnern an die Patronatsfamilie. Besonders schön ist der Epitaph für den 1754 gestorbenen Johann Ehrenreich von Gersdorff; am Sockel der von Engeln gehaltenen Schrifttafel verweist die Darstellung eines dürstenden Hirsches auf die Eingangsworte des 42. Psalms: "Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir."

Eine umfangreiche Instandsetzung der Hermsdorfer Kirche fand im Jahr 1931 statt. 1938 dann mussten durch einen Blitzschlag entstandene Schäden am Kirchendach beseitigt werden. Als fünfzig Jahre später erhebliche Schäden am Kirchturm festgestellt wurden, fehlten der Kirchengemeinde jedoch die Möglichkeiten, Geld und Material für die notwendige Instandsetzung aufzutreiben - 1987 wurde der weithin sichtbare Glockenturm wegen Baufälligkeit abgetragen. Die Glocken standen - quasi als Mahnung - über Jahre hinweg in der Kirche, und auch die historische Kirchturmuhr wurde eingelagert. Abfinden konnte sich die Gemeinde jedoch nie mit dem Verlust des Turmaufsatzes, der auch von den Nachbarorten Lipsa und Jannowitz, ja selbst von dem Städtchen Ruhland aus, als Landmarke den Weg nach Hermsdorf aufzeigte. Für kurze Zeit wurde die Idee zum Bau eines freistehenden Glockenträgers neben der Kirche diskutiert, bald jedoch wieder verworfen.

Im Oktober 2007 gründete sich der Kirchbauverein Evangelische Kirche Hermsdorf e.V., der zwei Jahre später zu den Preisträgern des vom Förderkreis Alte Kirchen jährlich ausgeschriebenen "Startkapitals für Kirchen-Fördervereine" gehörte. Ziel des Vereins war von Beginn an neben der notwendig gewordenen Reparatur des Kirchendaches und der von Rissen durchzogenen Mauern des Kirchenschiffes auch der Wiederaufbau des Glockenturmes. Ein von der Kirchengemeinde in Auftrag gegebenes statisches Gutachten sah dafür keinerlei Probleme und so wurden Anträge geschrieben, Spenden gesammelt und Benefizkonzerte veranstaltet. Dank einer Förderung aus dem EU-Fonds zur Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) konnte im Frühjahr 2012 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Für den notwendigen Eigenanteil brachte der Förderverein über 30.000 Euro an gesammelten Spenden ein. Ein Sägewerk aus dem sächsischen Königsbrück stellte anlässlich eines Firmenjubiläums kostenlos die Holzbalken für die Montage des Turmes zur Verfügung. Zusätzlich nahm die Kirchengemeinde ein Darlehen auf.

Am 31. Oktober 2012, dem Reformationstag, konnte dann gefeiert werden. Das Dach des Kirchenschiffes ist frisch gedeckt, die sanierten Außenmauern leuchten in einem angenehmen Gelbton und auch der rekonstruierte barocke Turmaufsatz ist fertiggestellt. Die alte Kirchturmuhr zeigt den Hermsdorfern wieder die Zeit an. Die Glocken können wieder geläutet werden. Und die geschweifte Turmhaube weist wie in alten Zeiten schon von weitem den Weg nach Hermsdorf.

Weitere Informationen: Kirchbauverein der Evangelischen Kirche zu Hermsdorf e.V.; Reinhard Noack; Guteborner Str. 8; 01945 Hermsdorf OT Lipsa; Tel.: (03 57 52) 53 75; www.kirchbau-hermsdorf.de



Zum Weiterlesen:
Lausitzer Rundschau vom 23. August 2014: Der Turm glänzt, im Hermsdorfer Kirchenschiff bröckelt es
Lausitzer Rundschau vom 09. September 2015: Kirche Hermsdorf birgt so manches Geheimnis
Lausitzer Rundschau vom 17. Juni 2016: Zweiter Münzschatz wäre ein Segen


  zurück