Die Dorfkirche von Helle (Prignitz)

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Bereits am 24. August konnten die 39 Einwohner des Dorfes Helle, westlich von Pritzwalk, zusammen mit zahlreichen Gästen und bei schönstem Sommerwetter ein stolzes Jubiläum feiern. Im Jahr 1913 war ihre von dem Architekten Georg Büttner entworfene Dorfkirche eingeweiht worden. Zur Feier des hundertsten Jahrestages war das Kirchengebäude "bis auf den letzten ausziehbaren Notsitz besetzt".

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Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war die alte Kirche von Helle, ein Fachwerkbau aus dem Jahre 1685, in einem völlig desolaten Zustand. Der Gemeindekirchenrat forderte einen Neubau, während die Patronatsfamilie Edle Gans zu Putlitz auf Wolfshagen lediglich Reparaturen durchführen wollte. Der Oberregierungsbaurat Ludwig von Tiedemann bescheinigte der alten Kirche durchaus einen Denkmalswert, während Georg Büttner - Landeskonservator der Provinz Brandenburg und seit 1906 auch Leiter des Kirchlichen Bauamtes - eine Restaurierung als zu teuer einschätzte und mehrere Entwürfe für einen Neubau unter Wiederverwendung der historischen Ausstattungsstücke empfahl. Zwischen beiden Protagonisten der damaligen Denkmalpflege kam es häufig zu Meinungsverschiedenheiten. Während von Tiedemann dem damals vorherrschenden Historismus verhaftet blieb, war Büttner ein vehementer Streiter für den "Heimatstil" und die neu entstehende Heimatschutzbewegung, die traditionelle Bauformen und regionaltypische Materialien bevorzugte und eine Architektursprache forderte, die sich der jeweiligen Kulturlandschaft harmonisch einfügte.

 

Georg Büttner, der bereits 1914 als Kriegsfreiwilliger ums Leben kam, entwarf zahlreiche Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser, die sich vom inzwischen überholten Stil des Historismus abwandten und den Weg in die architektonische Moderne bereiteten. Auch in Helle konnte sich Büttner durchsetzen. Entstanden ist ein für die Prignitz ungewöhnlicher, harmonischer Putzbau mit einem seitlichen Turm, einer Apsis und Vorbau aus Fachwerk, "effektvoll komponiert unter Verwendung charakteristischer Motive romanischer und barocker Architektur" (Dehio). Zugleich lassen sich durchaus auch Anklänge an den beginnenden Jugendstil erahnen. Die reichhaltige florale Ausmalung des Innenraumes mit einer kassettierten Holztonnendecke übernahm die Firma Steinacker aus Berlin; die Glasfenster mit Stifterinschriften schuf die renommierte Firma Linnemann aus Frankfurt am Main. Aus dem Vorgängerbau blieb ein vermutlich um 1470 entstandener spätgotisches Schnitzaltar-Retabel erhalten. Im Mittelfeld findet sich eine Marienkrönung zwischen den Drachentötern Michael und Georg; die Seitenflügel zeigen rechts die Apostel Petrus und Paulus, links Jakobus und Johannes jeweils mit ihren Attributen. Der Kunsthistoriker Peter Knüvener vermutet für das qualitätsvolle Retabel, das bereits 1998 restauriert werden konnte, eine Herkunft aus einer Braunschweiger Werkstatt.

Nach dem sommerlichen Festgottesdienst gab es in Helle eine großzügige Kaffeetafel mit einer "Jubiläumstorte". Eine Ausstellung in der Kirche informierte über den Architekten Georg Büttner und seine Kirchenbauten in Brandenburg und eine Chronik des Ortes sowie seiner Kirche wurde vorgestellt. Nicht nur optisch ist auch nach einhundert Jahren die Kirche der Mittelpunkt des kleinen Rundlingsdorfes Helle.

Weitere Informationen: Jutta Röder, Alte Dorfstr. 17, 16928 Groß Pankow OT Helle, Tel.: 03395-310844


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