Die Dorfkirche von Heinersdorf (Oder-Spree)

Fotos: Uwe Donath

Den Ortsnamen Heinersdorf gibt es in Brandenburg mehrfach. Der hier beschriebene Ort liegt etwa 40 Kilometer östlich von Berlin, in etwa zwischen den Städten Fürstenwalde und Müncheberg, am Ufer des über achtzig Hektar großen Heinersdorfer Sees.

Urkundlich wurde unser Heinersdorf erstmals 1247 als Henrikestorpe im Besitz des Templerordens erwähnt, der in der nahe gelegenen Komturei Lietzen einen bedeutenden Stützpunkt besaß. Nach der erzwungenen Auflösung der Templer im Jahr 1312 kommt das Dorf an den Johanniterorden. Nach Reformation und Säkularisation gerät es in das Eigentum einer Familie von Grünfeld. In der zweiten Hälfte erwirbt ein Geheimer Justizrat namens Schulz den Ort, dessen Familie bis 1945 im Schloss residiert.

 

Die Heinersdorfer Kirche, ein stattlicher Feldsteinbau mit eingezogenem Chor und halbrunder Apsis, entstand vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, also noch in der Templerzeit. Der hohe quadratische Westturm, der das Gotteshaus zur sogenannten "vollständigen Anlage" ergänzt, wurde im 14. bzw. 15. Jahrhundert angefügt; seinen barocken Abschluss mit geschweifter Doppelhaube und Laterne erhielt er bei einem Umbau zwischen 1756 und 1764, der nach Beschädigungen im Zuge des Dreißigjährigen Krieges und einem Brand im Jahr 1752 notwendig geworden war. In dieser Zeit wurden sicher auch die ursprünglichen Fenster rundbogig vergrößert. An der Nordseite des Chores entstand eine Sakristei mit Patronatsloge, an der Südseite des Kirchenschiffes eine als Eingang dienende Vorhalle.

Den vom barocken Umbau geprägten, von einer dreiseitigen Empore umzogenen Innenraum begrenzt eine flache Holzdecke. Ein rundbogiger Triumphbogen trennt den Chorbereich vom Kirchenschiff. Der geschnitzte Kanzelaltar des Tischlers Schulze aus dem neumärkischen Arnswalde, entstanden in der Zeit des barocken Umbaus, weist keine bildlichen Darstellungen auf, ist jedoch mit einem Säulenaufbau, Akanthuswangen und einem von einer Strahlensonne bekrönten Schalldeckel über dem Kanzelkorb geschmückt. Die zweimanualige Orgel der Firma Wilhelm Sauer aus Frankfurt / Oder (1911) ersetzt ein in die Jahre gekommenes Instrument, das 1837 Friedrich Leopold Morgenstern aus Guben schuf.

In den Nachkriegsjahren war die Orgel durch den Diebstahl der meisten Metallpfeifen unspielbar geworden, was engagierte Dorfbewohner dazu brachte, im Januar 2001 einen "Freundeskreis der Sauer-Orgel op. 1111" zu gründen. Dem Verein gelang es, das Instrument pünktlich zum 100. Jubiläums seines Entstehens 2011 wieder vollständig restaurieren zu lassen. Nach den Feierlichkeiten zur Wiedereinweihung der Orgel löste sich der Freundeskreis nicht auf, sondern benannte sich um in Verein "Denk-Mal-Kultur Heinersdorf". Weiterhin werden Spenden gesammelt, nun für die Sanierung der Kirche und des ehemaligen Herrenhauses. Zudem organisiert der Verein Konzerte und andere Kulturveranstaltungen.

Parallel zur Restaurierung der Orgel konnte in den vergangenen Jahren auch das Kirchengebäude selbst weitgehend instandgesetzt werden. Das Dachtragwerk wurde saniert, der Schwamm im Kirchenschiff erfolgreich bekämpft, die Außenmauern verputzt sowie Fenster und Türen überarbeitet. Den vorläufig letzten Bauabschnitt bildet in diesem Jahr die umfassende Renovierung des Innenraumes. Die Kirche wird regelmäßig für Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Trauerfeiern genutzt. Konzerte finden statt. Besucher des benachbarten Rüstzeitenheimes nutzen das Gotteshaus für Andachten und Veranstaltungen. Zudem ist Heinersdorf eine Station am Brandenburger Jakobspilgerweg, was zunehmend Touristen zu einem Besuch der Kirche motiviert. Einen erheblichen Teil der notwendigen Gelder bringen Kirchengemeinde und Förderverein auf. Auch der Förderkreis Alte Kirchen wird sich an der Finanzierung beteiligen.

Weitere Informationen: Evang. Pfarramt Heinersdorf; Pfarrerin Rahel Rietzl; Hauptstr. 34; 15518 Steinhöfel (OT Heinersdorf); Tel.: 033432-736275; Mail: rahel.rietzl@ekkos.de sowie Dr. Gabriele Breitenstein; An der Brennerei 9; 15518 Heinersdorf; Tel.: 033432-8832


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