Die Dorfkirche von Groß Ziethen (Barnim)

 
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Erstmals wird Groß Ziethen (Magna Scyten) 1275 urkundlich erwähnt, als die Markgrafen Otto V. und Albrecht III. den Ort an das Kloster Chorin verkauften. Es scheint sich um ein wohlhabendes Dorf gehandelt zu haben; im Landbuch von 1375 werden immerhin 3 Krüge erwähnt, von denen einer allerding wüst lag.

Einen tiefen Einschnitt bildete der Dreißigjährige Krieg, unter dem Groß Ziethen enorm zu leiden hatte, "nur 2 Bauern und ein paar Witwen blieben am Leben". Ab 1686 wurden in dem Dorf, das nach der Säkularisierung des Klosters dem neuen kurfürstlichen Amt Chorin unterstand, französische Glaubensflüchtlinge angesiedelt, ab 1689 auch Kolonisten aus der Pfalz. In Groß Ziethen und im benachbarten Klein Ziethen entstanden französisch-reformierte Gemeinden, die für ihre Gottesdienste die vorhandenen mittelalterlichen Kirchen nutzen durften. Erst unter dem Eindruck der beginnenden Befreiungskriege wurde in Groß Ziethen das Deutsche zur Sprache der Gottesdienste; die Kirchenbücher wurden sogar noch bis 1844 in französischer Sprache geführt. Welchen Stellenwert die französisch-reformierte Gemeinde in Groß Ziethen hatte, zeigt die Tatsache, dass die wenigen lutherischen Einwohner bis zur Gründung einer "lutherischen Anschlussgemeinde" im Jahr 1855 die Gottesdienste im neun (!) Kilometer entfernten Brodowin besuchen mussten.

 
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Die Groß Ziethener Kirche, ein einfacher Feldsteinsaal mit eingezogenem Chor wurde nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg durch die hugenottischen Neusiedler instandgesetzt und erhielt 1717 einen verbretterten Dachturm. Die heutige Form der Fenster stammt aus einer umfassenden Restaurierung im Jahr 1864. Im Zuge dieses Umbaus erhielt auch der Innenraum die heutige, in ihrer Schlichtheit einer reformierten Gemeinde angemessene, Gestaltung. An der Ostwand findet sich die schmucklose Kanzel mit seitlichen Aufgängen, die als "Kanzelwand" die gesamte Breite des Chores einnimmt. Auf der Westempore steht die ebenfalls 1864 geschaffene Orgel mit einem neugotischen Prospekt. Erhalten hat sich im Kirchenraum (wenn auch als Kopie des im Berliner Hugenottenmuseum befindlichen Originals) eine Tafel mit den zehn Geboten in französischer Sprache, wie sie für jeden reformierten Kirchenraum einst obligatorisch war.

In den vergangenen zwei Jahren war es möglich, an der Dorfkirche von Groß Ziethen umfassende Instandsetzungsarbeiten durchzuführen. Durch die marode Betonsteindachdeckung drang die Feuchtigkeit in den Kirchenraum, die hölzerne Turmkonstruktion war durch Braunfäule massiv geschädigt. In einem ersten Bauabschnitt konnte 2011 das Tragwerk des Turms repariert werden; der Turm erhielt eine neue Dachdeckung sowie eine Verschalung aus Lärchenholz. Nun konnten die Glocken, die wegen der Baufälligkeit des Kirchturms längere Zeit schweigen mussten, wieder geläutet werden. Die Neueindeckung des Daches von Kirchenschiff und Chor sowie Reparaturen an den Außenmauern erfolgten im vergangenen Jahr. Mit 5.000 Euro beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen an der Finanzierung der Baumaßnahmen; zudem wurde ein weiterer Betrag aus einem Vermächtnis zur Verfügung gestellt, über dessen Verwendung die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Abstimmung mit dem FAK entscheidet.

Mit einem Festgottesdienst am 9. Dezember 2012 konnte die französisch-reformierte Gemeinde in Groß Ziethen den Abschluss der Sanierung ihres Gotteshauses feiern. Die Festpredigt hielt Jürgen Kaiser, Pfarrer der reformierten Gemeinde in Berlin. Er gedachte auch der kürzlich verstorbenen Pastorin der Kirchengemeinde Ziethen, Heike Schulze, die die Sanierungsarbeiten angeschoben hatte und den ersten Bauabschnitt noch begleiten konnte.


Zum Weiterlesen:
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Märkische Onlinezeitung vom 16. August 2017: Neuanfang vor 300 Jahren
Märkische Onlinezeitung vom 19. September 2017: Zwischen Tradition und Zukunft


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