Die Dorfkirche von Groß Jehser (Landkreis Oberspreewald-Lausitz)

Kirche Groß Jehser 
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Mit ihrer überaus reichen Ausstattung, insbesondere den zahlreichen Grabdenkmalen und Epitaphien, zählt die Kirche des 200-Einwohner-Dorfes Groß Jehser zu den sehenswertesten Sakralbauten der Niederlausitz. Doch der Zahn der Zeit hat seine Spuren an dem Kirchengebäude hinterlassen, so dass eine umfassende Instandsetzung dringend notwendig wurde.

Die erste urkundliche Erwähnung des südlich der Stadt Calau gelegenen Ortes stammt aus dem Jahr 1495. Die Feldsteinkirche mit dem imposanten, schiffbreiten Westturm scheint älter zu sein; und der noch heute sichtbare Burgwall verweist auf eine frühe slawische Besiedlung auf dem Areal des heutigen Dorfes.

Um 1700 wurde das Kirchengebäude im Stile des Barock erneuert: die jetzigen großen Stichbogenfenster wurden eingebrochen, das Kirchenschiff erhielt ein Tonnengewölbe, der polygonale Chor wurde an das Kirchenschiff gesetzt und an der Südseite verweist ein doppelgeschossiger Logenanbau auf die immerhin vier Patronatsherren, die sich damals die Einkünfte aus dem Dorf und den eingepfarrten Nachbargemeinden teilen mussten.

Der Turm erhielt 1747 ein verbrettertes Glockengeschoss und die einfache Haube mit Bekrönung. Im Jahre 1908 schließlich wurden der Turm und das Kirchenschiff vollständig verputzt.

Den Innenraum prägt der beeindruckende barocke Altaraufsatz, der in der Predella ein Gemälde des Abendmahls und im Hauptfeld Maria und Johannes unter dem Kreuz zeigt, umgeben von korinthischen Säulen, Akanthuswangen und figürlichen Darstellungen. Erstaunlich ist die große Anzahl der Gedächtnismale in der Kirche von Groß Jehser; jede Patronatsfamilie hat hier ihre Spuren hinterlassen: Ein prächtiges Wandepitaph für Johann (gest. 1705) und Sophie Dorothea Patow (gest. 1737) lässt den künstlerischen Einfluss des Dresdener Hofes erkennen schließlich gehörte die Niederlausitz bis 1815 zu Sachsen. Mehrere Kindergrabsteine, darunter eine ergreifende Sandsteinplatte für ein im frühen Alter verstorbenes Zwillingspaar der Familie von Patow verweisen auf die hohe Kindersterblichkeit der Zeit. Lediglich ein bescheidenes hölzernes Totenkronenbrett erinnert an die 1751 im Alter von nur 15 Jahren verstorbene Johanna Sophie Charlotte von Minckwitz.

Eine ausführliche Beschreibung der Grabdenkmale und Epitaphien bietet die Autorin Bettina Ellert in ihrem Beitrag "Bedenkt, wann Zeit und Stunde kommen..." in unserer Broschüre Offene Kirchen 2008, Seite 81 bis 84.

In der Schlussphase des 2. Weltkrieges erlitt die Kirche erhebliche Beschädigungen, die zwischen 1949 und 1952 mit bescheidenen Mitteln beseitigt werden konnten. Eine weitere Reparatur des Turmes und des Kirchendaches erfolgte 1977.

Gravierende Schäden am hölzernen Dachtragwerk und an der Dachdeckung machten nun wiederum eine umfassende Sanierung möglich. Im Rahmen des Staatskirchenvertrages konnte die Finanzierung für das laufende Jahr sichergestellt werden. Außer dem brandenburgischen Kulturministerium und kirchlichen Stellen beteiligen sich auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Stiftung KiBa und der Förderkreis Alte Kirchen an dem laufenden Bauabschnitt.

Als erstes wurden die alten Dachsteine aufgenommen. Dabei wurde eine zuvor nicht sichtbare erhebliche Schädigung des Traufbereiches mit Hausschwamm festgestellt. Die 1977 in diesem Bereich mit Beton erfolgten Reparaturarbeiten erschweren die Schwammbekämpfung und erhöhen die Kosten. Gegenwärtig ist das Berliner Architekturbüro "trecase", in Abstimmung mit den Denkmalbehörden, dabei, das Sanierungskonzept den vorhandenen finanziellen Mitteln anzupassen. Bis zum September sollen die Arbeiten möglichst abgeschlossen sein.

Weitere Informationen über: Evangelisches Pfarramt Groß Jehser, Pfarrer Bernhard Hoppe; Tel.: 03 54 39

Die Bilder auf der rechten Seite zeigen (von oben nach unten): Kindergrabstein für Friedrich Wilhelm von Minckwitz, 1619; Totenkronenbrett für Johanna Charlotte Sophie von Minckwitz, 1751; Totenkronenkasten, Mitte des 19. Jahrhunderts; Fotos: H. Ludwig

Zum Weiterlesen:
Lausitzer Rundschau vom 04. September 2008: Neues Dach für Kirche in Groß Jehser
Lausitzer Rundschau vom 18. Dezember 2008: Neues Dach für die Kirche Groß Jehser

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