Rettung eines Dorf-Ensembles

Groß Döbbern 
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Zu den Preisträgern des "Startkapitals" im Jahr 2005 gehörte der Förderverein Altes Pfarrhaus Groß Döbbern. Zuvor hatte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg bereits die Erstellung eines Gutachtens finanziell unterstützt und die Gründung des Vereins intensiv begleitet.

Innerhalb des FAK gab es damals aber auch einige, die fragten: Sind nicht noch genügend Kirchen zu sanieren; warum sollten wir uns auch noch um leerstehende Pfarrhäuser kümmern?

Seit 2005 ist in Groß Döbbern viel passiert. Hier eine kurze Zwischenbilanz:

Im Zentrum von Groß Döbbern einem Dorf nur 12 km südöstlich von Cottbus trifft man heute im Bereich der Mittel- und Ringstraße Altertümliches an: Straßen mit Pflastersteinen befestigt, teils von einem wasserableitenden Graben begleitet, einen Löschteich und sandige Gehwege. Wie ein Dreigestirn bilden die Kirche, das ehemalige Schulgehöft und das alte Pfarrhaus das zentrale historische denkmalgeschützte Ensemble des Dorfes. Mit dem ehemaligen Friedhof ist das Kirchenareal nahezu vollständig von einer Feldsteinmauer umgeben. Solche Orte beschaulicher Ruhe wie in der Dorfmitte von Groß Döbbern sind selten geworden.

Das Pfarrhaus, ein massiver zweigeschossiger barocker Bau mit Krüppelwalmdach, wurde von August Heinrich Graf von Pückler, Großvater des bekannten Gartenbaukünstlers Hermann Fürst von Pückler, im Geburtsjahr seines Enkels 1785 erbaut. Unter den rund 140 denkmalgeschützten ländlichen Pfarrhäusern in Brandenburg ist es eines der ältesten und von der baulichen Gestalt eines der interessantesten. Ungewöhnlich ist die Gliederung in ein aus Feldstein ausgebildetes Souterrain auf Erdgeschosshöhe und ein darüber liegendes, aus Ziegeln aufgemauertes Hauptgeschoss.

Nach jahrelanger Nichtnutzung war bereits ein Kamin eingestürzt und hatte dabei Teile der Dachhaut durchschlagen. Das Gebäude drohte unerwartet einzustürzen.

In dieser Situation gründete sich 2005 im Dorf ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, das Haus vor seinem endgültigen Verfall zu bewahren und eine neue Nutzung zu finden. Der Verein war mutig genug, das Gebäude aus Kirchenbesitz in sein Eigentum zu übernehmen. Von Anbeginn an unterstützten das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege, die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises und der Förderkreis Alte Kirchen den jungen Verein intensiv. Das "Startkapital" war die erste größere Geldsumme in der Vereinskasse. Im Juli 2006 kam dann Brandenburgs Kulturministerin Prof. Dr. Johanna Wanka persönlich nach Groß Döbbern, um einen Fördermittelbescheid zu überreichen. Insgesamt 25.000 Euro standen für einen ersten Bausicherungsabschnitt zur Verfügung. Durch Spenden und weitere Fördermittel waren in diesem Jahr bauliche Maßnahmen möglich. Nachdem Decken im Erd- und Obergeschoss ausgesteift worden waren, konnte eine notwendige Bohlenebene auf diesen Ebenen hergestellt werden. Die partielle Reparatur der Dachkonstruktion, die Rettung des Westgiebels und eines Schornsteins sind erfolgt. Unter Mitarbeit freiwilliger Helfer wurden alle Dachsteine abgenommen und geborgen, im Anschluss die Dachkonstruktion abgesteift und ein Notdach aufgebracht. Zuletzt konnten bereits einige geschädigte Deckenbalken ausgetauscht werden.

Am Tag des offenen Denkmals 2007 war das Alte Pfarrhaus in Groß Döbbern erstmals wieder für Besucher geöffnet, die auch reichlich kamen. Der Verein stellte das Haus und seine Geschichte vor und erläuterte das künftige Nutzungskonzept als Begegnungshaus für die gesamte Dorfbevölkerung.

In den zwei Jahren seit der Vereinsgründung konnte mehr erreicht werden als ursprünglich erhofft. Das "Startkapital" am Beginn der Vereinsarbeit war eine gute Motivation und half, weitere Mittel einzuwerben.

Text und Foto: Andreas von Scheven

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