"Altes Pfarrhaus" der Familie von Pückler in Groß Döbbern gesichert

Zur jetzt erfolgten Notsicherung des Alten Pfarrhauses in Groß Döbbern (Landkreis Spree-Neiße), an der auch der Förderkreis Alte Kirchen beteiligt war, veröffentlichte das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege nachstehende Pressemitteilung:

Pfarrhaus Groß Döbbern 
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Schon 1938 war das "Alte Pfarrhaus" von Groß Döbbern als denkmalwert beschrieben worden. Nach Brandenburgischem Denkmalschutzgesetz erfolgte die Unterschutzstellung 1995. Als eines der ältesten Gebäude des Ortes bildet das "Alte Pfarrhaus" mit den gleichfalls denkmalgeschützten Bauten Kirche und Schule die historisch wertvolle Mitte des einstigen Pückler-Gutsdorfs. Frau Brigitte Schneider, 2004 im Bereich soziokulturelle Arbeit in der Gemeinde Neuhausen-Spree beschäftigt, erkannte das hohe Potential dieser bedeutenden Dorfmitte für die Gemeinde und deren Bewohner. Im Jahr 2005 gelang es, auch auf Anregung von Frau Schneider, im Dorf einen gemeinnützigen Förderverein zu gründen. Vereinsziel ist, das seit 1970 leer stehende Gebäude vor seinem Verfall zu bewahren und als Eigentümer einer neuen Nutzung zuzuführen. Seit der Gründung unterstützen das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege, die untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Spree-Neiße und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. den jungen Verein intensiv.

In Groß Döbbern hat der Denkmalschutz eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte angeregt, inzwischen besteht auch ein Kontakt zu den Nachfahren der Familie von Pückler. Die Bemühungen um den Erhalt des Denkmals sind Impuls für die Identität der Gemeinde geworden. Der Förderverein, nun Eigentümer des Alten Pfarrhauses, bekam persönlich durch Brandenburgs Kulturministerin Frau Prof. Dr. Johanna Wanka einen Fördermittelbescheid überreicht. Im Rahmen eines Festakts wurde die Ministerin am 7. Juli 2006 mit Glockengeläut vor Ort begrüßt. Sie betonte in ihrer Ansprache: "Gerade die Unterstützung privater Denkmaleigentümer und Initiativen zur Rettung und Wiederbelebung von Denkmalen liegt mir besonders am Herzen. Das Kulturministerium versucht in jedem Jahr, entsprechende Projekte zusammen mit dem jeweiligen Landkreis zu unterstützen." Insgesamt standen nun 25.000 Euro für die Notsicherung zur Verfügung. Davon stellte das Kulturministerium 18.750 Euro, der Landkreis Spree-Neiße 1.700 Euro bereit. Die restlichen 4.550 Euro steuerte der Förderverein bei, davon 2.500 Euro vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. als Startkapital.

Das Pfarrhaus, ein massiver zweigeschossiger barocker Bau mit Krüppelwalmdach, wurde von Graf August Heinrich von Pückler, der Großvater des bekannten Gartenbaukünstlers Fürst Hermann von Pückler im Geburtsjahr seines Enkels 1785 zusammen mit einer Schule neu erbaut. Über einem rechteckigen Grundriss erschließt sich traufseitig die siebenachsige Hauptfassade mit Mittelrisalit. Das einst geputzte Gebäude ist heute verfallsbedingt im Obergeschoss ziegel- und im Erdgeschoss feldsteinsichtig. Im Obergeschoss finden sich aufrecht stehende Kreuzstockfenster, im Erdgeschoss kleine mit Segmentbogen überwölbte Fensteröffnungen, die eher den Eindruck eines Souterains oder Kellers vermitteln. Eine uralte Biberschwanzdeckung (Handstrich) mit Spließen deckte das Dach, war aber nicht zu retten.

Bemerkenswert: das Pfarrhaus Groß Döbbern ist in seiner historischen Grundrisssituation unverändert erhalten. Unter rund 140 denkmalgeschützten ländlichen Pfarrhäusern Brandenburgs fällt das Pfarrhaus Groß Döbbern aber nicht nur aufgrund seiner baulichen Größe auf. Es ist eines der ältesten und von der baulichen Gestalt eines der interessantsten seiner Gattung. Ungewöhnlich ist vor allem seine Gliederung in das aus Feldstein gemauertes Souterrain und das darüber liegende, aus Ziegeln aufgemauerte Hauptgeschoss. Die erhaltene Küche und die Kamine sind zudem in ihrer Größe im Landkreis Spree-Neiße einzigartig.

Zur fachlichen Betreuung hat der Förderverein die denkmalerfahrene Architektin Rosemarie Furchner aus Peitz beauftragt. Sie hat sich zunächst um eine konstruktive Bewertung des Hauses bemüht, um dem kleinen Verein einen tragbaren Sanierungsweg aufzuzeigen. Gemeinsam mit dem "Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung Dipl.-Ing. A. Seemann" erkannte Frau Furchner, dass das sich "Alte Pfarrhaus" in einem teilweise kritischen Zustand befand und konstruktive Mängel, wie Risse, fehlende Balken- und Sparrenköpfe, Schwammbefall und einen einsturzgefährdeten Schornstein aufwies. In Abstimmung dem Verein und dem Denkmalschutz entwickelte Sie eine in Abschnitten förderfähiges Sicherungs- und Sanierungskonzept, da aufgrund des Gebäudezustands und der bereits eingebrochenen Decken Einsturzgefahr bestand. Bauliche Maßnahmen waren 2006 unbedingt erforderlich, um weitere Schäden zu vermeiden, da nur eine sofortige Notsicherung das "Denkmal in Not" retten konnte, musste schnell gehandelt werden.

Sichtbarer Erfolg: Durch die Firma Gerüstbau & Montagedienst R. Miersch, Spremberg, konnte ein Fassadengerüst am 13.10.2006 für den 1. BA aufgestellt werden, nachdem der Verein den Gehölzbestand in unmittelbarer Nähe des Pfarrhaus entfernt hatte. Die Notsicherungsarbeiten konnten so vom 17. - 24.10.2006 durch die Firma "Oehnaland" Holzverarbeitungs-GmbH aus Bochow durchgeführt werden, indem diese zunächst die Aussteifung der Decken im EG und OG vornahm und eine notwendige Bohlenebene im EG und OG herstellte. Die partielle Sicherung der Dachkonstruktion, eine Rettung (Teilabbau) eines Schornsteins im Dachgeschoss erfolgte. Unter Mitarbeitet des Vereins und freiwilliger Helfer wurden alle Dachsteine abgenommen und geborgen, im Anschluss die Dachkonstruktion abgesteift. Unterstützung fand der Verein auch durch den ortsansässigen Waldbesitzer Kuhler, der ca. 4,5 m³ Holz als Spende für die Baumaßnahme bereitstellte. Die Dachnotabdichtung führte vom 27. bis 30.10.2006 mit Bitumenwellplatten Dachdeckermeister Ulrich Vater aus Drebkau/OT Schorbus durch. Der Verein konnte anschließend erstmals das gesamte Gebäude sauber beräumen.

Im Januar 2007 konnten durch eine zusätzliche Bereitstellung von Fördermitteln des MFWK weitere Maßnahmen in einem 2.BA durchgeführt werden. In Teilbereichen mussten die Decken aufgrund des hohen Schädigungsgrades abgetrennt werden, so dass der Anschluss zum Mauerwerk nicht mehr gegeben war. Aus statischen Gründen war es erforderlich, die Anschlüsse denkmalgerecht in traditioneller Handwerkstechnik wieder herzustellen. Folgende Arbeiten realisierte die Firma. "Oehnaland":

Der Förderverein hat diese Arbeiten mit seiner Architektin und den Handwerkern vom 15.01.2007 bis zum 07.02.2007 geleistet.

Durch den erzielten Baufortschritt der Notsicherung werden 2007 weitere Baumaßnahmen folgen können, die den Erhalt des "Alten Pfarrhauses" und die Nutzung auch während der Bauzeit schrittweise und nachhaltig ermöglichen. Auch für Außenstehende ist die voranschreitende Sanierung des Denkmals "Altes Pfarrhaus" in Groß Döbbern bereits deutlich sichtbar geworden.

Andreas von Scheven