Die Dorfkirche von Grieben (Oberhavel)

Fotos: Bernd JanowskiGroßbildansicht
 
Dachfläche mit mittelalterlichen BiberschwanzziegelnGroßbildansicht
 
TaufengelGroßbildansicht

Derzeit ist die Dorfkirche in Grieben (Landkreis Oberhavel) teilweise eingerüstet. Ein grünes Netz verwehrt dem Besucher auf der Straßenseite den Blick auf den ehrwürdigen Feldsteinbau. Auch im Innenraum stehen Gerüste. Die Ausstattung des Gotteshauses ist vorläufig ausgelagert. Bauarbeiter sind emsig beschäftigt.

Der Ort Grieben ist ein typisches brandenburgisches Straßendorf, gelegen an der B 167 zwischen Löwenberg und Herzberg. Erstmals erwähnt wird der Ortsname 1256 in einer Friesacker Urkunde. Ungefähr in dieser Zeit entstand wohl auch das Kirchengebäude. Im Mittelalter befanden sich das Dorf und die Feldmark im Besitz des Zisterzienserinnenklosters Lindow und gehörten damit zur formell eigenständigen Grafschaft Ruppin, die erst nach dem Tode des Grafen Wichmann im Jahre 1524 zum Kurfürstentum Brandenburg gehörte. Nach der Säkularisierung des Lindower Klosters gelangte Grieben in landesherrlichen Besitz. Heute ist es ein Ortsteil der Gemeinde Löwenberger Land.

Die Kirche ist ein frühgotischer Feldsteinbau; am Ostgiebel haben sich die ursprünglichen drei schmalen und hohen Lanzettfenster erhalten. Die übrigen Fenster des Kirchenschiffes wurden im Zuge einer grundlegenden Erneuerung des Gotteshauses 1772 korbbogig vergrößert, worauf die Jahreszahl in der Wetterfahne hinweist. Anteile von Ziegelmauerwerk im ansonsten sorgfältig geschichteten Feldsteinverband lassen darauf schließen, dass es zuvor größere Beschädigungen am Kirchenbau gab, die vielleicht noch auf den Dreißigjährigen Krieg zurückgingen. Zugleich wurde damals dem Kirchengebäude der quadratische Westturm vorgesetzt.

Der ansonsten eher schlichte Innenraum war einst von einer dreiseitigen Hufeisenempore umzogen, deren Seitenteile bei einer "Generalinstandsetzung" 1982 bis 1984 entfernt wurden. Auf der verbliebenen östlichen Orgelempore steht ein schönes Instrument des Orgelbauers Carl August Buchholz. Dominiert wird der Raum von einem barocken, schön verzierten Kanzelaltar und einem Taufengel, der allerdings erst seit 1984 seine Heimat in Grieben gefunden hat. Geschaffen wurde er zu Beginn des 18. Jahrhunderts von einem unbekannten Schnitzer für die Kirche in Tasdorf (Märkisch Oderland). Als das dortige Gotteshaus - ein Renaissancebau aus der Zeit um 1600 - im Jahr 1982 abgerissen wurde, gelangte der Himmelbote nach Grieben. Leider verlief eine mit dem Umzug verbundene Restaurierung nicht ganz glücklich. Es wäre zumindest zu überlegen, ob eine Korrektur der damals vorgenommenen Bearbeitung des Engels vorgenommen werden kann. Zurzeit jedoch hat die Kirchengemeinde andere Sorgen. Wie bereits erwähnt, laufen gerade Sanierungsarbeiten zur Substanzsicherung.

Bereits vor einigen Jahren musste der Gehweg neben der Kirche mit rot-weißem Flatterband für Passanten gesperrt werden, da immer wieder Dachsteine vom nördlichen Kirchendach herabfielen. Notsicherungsarbeiten brachten jeweils nur kurzfristigen Erfolg, da ein großer Teil der Dachdeckung marode war. Eine Förderung aus dem Staatskirchenvertrag macht jetzt eine umfangreiche Instandsetzung möglich. Während die südliche Hälfte des Kirchendaches in den achtziger Jahren mit Betonsteinen, die inzwischen allerdings auch schon marode sind, neu gedeckt wurde, haben sich auf der Nordseite umfangreiche Reste mittelalterlicher, handgefertigter Biberschwanzziegel erhalten. Da es nicht nur der fast selbstverständliche Wunsch der Denkmalpfleger, sondern auch der Wille der Kirchengemeinde ist, diese selten gewordene traditionelle Bedeckung zu erhalten, mussten entsprechende handgefertigte Kohlebrandziegel neu gefertigt werden. An den dadurch entstandenen geringfügigen Mehrkosten beteiligte sich der Förderkreis Alte Kirchen mit einem Betrag in Höhe von 2.000 Euro.

Während im Zuge der Dachsanierung auch Arbeiten im Traufbereich und an der hölzernen Balkendecke nötig wurden, konnten an den Deckenbalken und an den Deckenbretter umfangreiche Reste einer barocken Bemalung entdeckt und restauratorisch untersucht werden. Ursprünglich zierte nach diesen Befunden ein blauer Himmel mit gemalten Wolken und Sternen die flache Holzdecke des Griebener Kirchenraumes. Ob eine Freilegung und Präsentation der historischen Decke möglich ist, wird derzeit noch geprüft. Vor dem Beginn dieser Maßnahme müsste zudem erst ein Farbkonzept für den gesamten Innenraum erstellt werden.

Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Herzberg; Pfarrer Ulrich Baller; Ruppiner St. 49; 16835 Herzberg; Tel.: 033926-70353; Mail: pfarramt-herzberg-m@t-online.de



Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 23. November 2016: Kunstschätze in der Kirche entdeckt
Märkische Onlinezeitung vom 07. September 2017: Kirche Grieben verkauft die Sonne


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