Die Dorfkirche von Golm (Uckermark)

Dorfkirche Golm  
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  Dorfkirche Golm - Altarblick
Fotos: Siegfried GraewerGroßbildansicht
Dorfkirche Golm - Empore
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Mit einem Festgottesdienst konnte am vergangenen Samstag, dem 30. Oktober, der Abschluss der Sanierung der Dorfkirche in Golm (Landkreis Uckermark) begangen werden. Die umfassenden Arbeiten zogen sich über mehrere Jahre hin.

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf Golm in einer Urkunde von 1354, mit der der brandenburgische Markgraf Ludwig der Römer Teile der Uckermark mit den Städten Schwedt, Angermünde, Stolpe, dem Kloster Gramzow und etlichen Ortschaften, darunter Golm dem pommerschen Herzog Barnim überlässt. Für mehr als 125 Jahre verblieb dieser Teil der Uckermark im pommerschen Besitz. Bald nachdem die Region wieder brandenburgisch geworden war, ist von Golm als einer wüsten Mark - dem "veld Golme" - die Rede. 1472 gelangt die Familie von Arnim in den Besitz des Schlosses im benachbarten Zichow, von wo aus sie auch die Feldmark Golm bewirtschaften, so dass sich aus einem Schäfereivorwerk wieder ein Dorf entwickelt. Bis 1864 verbleiben Golm und Zichow im Arnimschen Besitz.

Die Golmer Kirche ist ein sorgfältig gearbeiteter, langgestreckter Feldsteinbau des 13. Jahrhunderts mit einem schiffbreiten Turm, in dessen portalloster Westwand noch die alte Mauertreppe zum Turmobergeschoss erhalten blieb. Die Fenstergewände, darunter zwei schmale Lanzettfenster in der Ostwand, sowie die Umrahmungen der Portale bilden kunstvolle Rundstabprofile aus Backstein. An der Nordseite sind Reste eines später abgebrochenen Sakristeianbaus zu erkennen.

Nach dem Dreißigjährige Krieg wurde das stark zerstörte Dorf wieder aufgebaut und mit Kossäten und Einliegern besetzt. Der nächste Schrecken kam bereits 1674/75 mit dem brandenburgisch-schwedischen Krieg, der in den drei Dörfern Golm, Zichow und Bertikow eine Gesamtschaden in Höhe von 3.000 Reichstalern anrichtete. Wie die Chronik berichtete, wurde sogar "dem Golmer Schäfer Wäsche aus der Kirche in Briest geraubt".

Durch beide Kriege war auch die Kirche "total ruiniert". Erst 1711-14 gelang es Stefan Friedrich von Arnim, die Kosten für den Wiederaufbau aufzubringen. Die Golmer Kirche erhielt einen verbretterten quadratischen Turmaufsatz mit geschweifter Haube und Schieferdeckung sowie an der südlichen Priesterpforte eine Vorhalle aus Fachwerk.

Nach einer Inschrift an der Chornordwand entstand im Zuge dieser Instandsetzung 1714 auch die Ausstattung des Kircheninneren mit Orgelempore und Gestühl. Am Korb des weiß gefassten großen Kanzelaltars befindet sich ein Abendmahlsgemälde, seitlich davon "die etwas handwerklich durchgeführten Standfiguren von Petrus und Paulus". Erhalten haben sich die Altarschranken, vor denen die Gläubigen beim Empfang des Abendmahles knieten. Die Orgel mit mechanischen Schleifladen wurde 1875 von dem Berliner Orgelbauer Albert Lang geschaffen. Wie durch ein Wunder sind sogar die Zinnpfeifen des Prospektes der Konfiszierung in zwei Weltkriegen entgangen. Durch starke Verschmutzung ist das Instrument derzeit leider nicht spielbar. Eine Restaurierung in absehbarer Zeit wäre wünschenswert.

Eine Besonderheit ist auf dem Dachboden der Golmer Kirche zu entdecken. Hier befinden sich Reste einer Aufzugsvorrichtung. Vermutlich wurde auf dem Boden der Golmer Kirche, wie auch anderswo in der Uckermark, Tabak getrocknet, dessen Anbau seit der Ansiedlung von Hugenotten in der Region weit verbreitet war.

In einem ersten Bauabschnitt war es 2007 möglich, den Dachstuhl über dem Kirchenschiff, der großflächig vom Echten Hausschwamm und von Braunfäule befallen war, zu sanieren. In diesem Jahr konnte der gefährlich schief stehende Turm repariert werden. Neben vielen anderen Fördermittelgebern beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen an die Finanzierung der umfassenden Instandsetzungsarbeiten.

Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Briest; Pfarrer Peter Börner; Kleine Str. 3; 16306 Passow OT Briest; Tel.: (03 33 36) 5 52 58

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