Die Dorfkirche von Görzig (Oder-Spree)

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Abseits der großen Straßen - nahezu in der Mitte zwischen den Städten Fürstenwalde und Beeskow - liegt der Ort Görzig, ein Angerdorf mit großen, landwirtschaftlich geprägten Grundstücken beiderseits der Dorfstraße. Erstmals urkundlich erwähnt wird Jortzck 1393 in einer Besitzurkunde des Hospitals und der St. Nikolauskapelle zu Beeskow.

Die Kirche des Ortes, ein kleiner, dreiachsiger Putzbau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, steht auf einer leichten Anhöhe in der Mitte des Dorfes. Ein bescheidener, gedrungener Fachwerkturm wurde dem Gebäude 1827 aufgesetzt. Einziger Schmuck des Außenbaus ist auf der Südseite ein vornehm wirkendes barockes Korbbogenportal, durch welches der Besucher in den Innenraum gelangt. Während des Siebenjährigen Krieges verwüsteten russische Kosaken den Ort. "Im ganzen Dorf wurden die Fenster und Öfen zerschlagen. Frauen und Männer wurden an den Haaren herumgeschleppt." Die Dorfchronik berichtet zudem, dass damals auch die Kirche geplündert wurde. Den hohen Kanzelaltar, der zwei Jahrzehnte zuvor geschaffen wurde, scheinen die Marodeure verschont zu haben. Auf seiner Rückseite verkündet eine Inschrift: "Die Tischler- und Malerarbeiten in dieser Kirche ist durch Gottes Gnade verfertigt von zween Brüdern Meist: Christoph Friedrich und Meist: Gottfried Groschken aus Beeskow. Anno 1746."

In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Kirche umfassend instandgesetzt und erhielt eine frische Dachdeckung. Vor knapp zwei Jahren war es möglich, eine alte Glocke von 1510, die vermutlich aus einem Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses stammt, reparieren zu lassen. Durch reichliche Spenden aus dem Dorf konnte sogar eine zweite Glocke - als Ersatz für eine defekte gusseiserne "Notglocke" aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg - neu gegossen und eine elektrische Läuteanlage installiert werden. Am vierten Adventssonntag 2014 rief das erneuerte Doppelgeläut erstmals zum Gottesdienst. Und seitdem wird an jedem Werktag in Görzig wieder der Feierabend eingeläutet. Die erfolgreiche Glockenaktion hat die Görziger motiviert und es gibt ein neues Ziel: Die historische Orgel soll wieder zum Klingen gebracht werden.

Initiator des Orgelbaus für die Görziger Kirche war der Bauer Emil Ruff, der 1879 selbst 75 Mark spendete und einen erfolgreichen Aufruf zu weiteren Spenden "an die Häusler und Besitzer ohne Acker, von denen keine oder nur wenig Jagdpachtgelder in ihrer Kirchenkasse sind" richtete. Beauftragt wurde schließlich die damals bedeutendste Werkstatt in Berlin, die Orgelbau-Anstalt der Gebrüder Oswald und Paul Dinse. Es entstand eine einmanualige mechanische Schleifladen-Orgel mit acht Registern in Manual und Pedal. Am 1. Mai 1880 äußerte sich der Orgelrevisor Professor Julius Schneider aus Berlin bei der Abnahme des Instrumentes "ausnahmslos lobend und begeistert". Die Hälfte der Kosten übernahm das Konsistorium, der Gemeinde quittierten die Gebrüder Dinse den Erhalt von 1.053 Mark 50 Pfennigen "incl. Wohnung und Beköstigung der Orgelbauer". Derzeit ist das nahezu komplett erhaltene Instrument unspielbar und bedarf dringend einer umfassenden Restaurierung. Die hölzernen Pfeifen sind vom Holzwurm beschädigt. Das Leder der Balganlage ist völlig verschlissen. Einige Pfeifen wurden entwendet, die restlichen sind stark verschmutzt und zum Teil deformiert. Es ist etwa drei Jahrzehnte her, dass die Dinse-Orgel letztmalig die Choralbegleitung im Gottesdienst übernahm, zur Zeit wird dafür ein Elektro-Piano benutzt.

Ein Restaurierungsgutachten der renommierten Firma Sauer Orgel Frankfurt (Oder) beziffert die Kosten für eine gründliche Reparatur auf etwa 27.000 Euro. Ein Teil der benötigten Summe konnte durch Spenden und Benefizkonzerte bereits gesammelt werden, die Görziger hoffen jedoch dringend auf weitere Unterstützung.

Weitere Informationen: Anne-Kathrin Hartmann; Sauener Straße 1; 15848 Rietz-Neuendorf / OT Görzig; Tel.: 033672-5143; Mail: anne-kathrin.hartmann@t-online.de


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