Die Dorfkirche von Fretzdorf (Ostprignitz-Ruppin)

Foto: Wolf-Dietrich Meyer-Rath

Jahrelang begannen vor der Fretzdorfer Kirche die bundesweit größten Ostermärsche. Die Teilnehmer protestierten gegen die beabsichtigte Nutzung der Kyritz-Wittstocker Heide als Truppenübungsplatz für Tiefflüge und Bombenabwürfe durch die Bundeswehr. Die Protestierer hatten Erfolg: Im Jahr 2011 gab die Bundeswehr ihre Pläne endgültig auf.

Über die erste urkundliche Erwähnung des etwa zwölf Kilometer südöstlich von Wittstock gelegenen Ortes "Friderikestorpp" zu Beginn des 14. Jahrhunderts gibt es unterschiedliche Angaben. Da die Fretzdorfer pragmatisch denken, einigte man sich auf das Jahr 1304 und konnte so das 700-jährige Ortsjubiläum vor einigen Jahren zusammen mit der 300. Wiederkehr der Einweihung des Kirchengebäudes feiern. Ursprung des Dorfes war eine markgräfliche Wasserburg an der mecklenburgisch-brandenburgischen Grenze. Nach häufigem Besitzerwechsel entsteht auf den Fundamenten der zerstörten Burganlage ein adliger Wohnsitz, den der bekannte Berliner Architekt Friedrich August Stüler 1835 und 1840 im Auftrage des Majoratsherren Otto Siegismund Karl von Karstedt grundlegend umbauen ließ. Zugleich wurde durch Peter Joseph Lenné ein heute leider nicht mehr vorhandener englischer Landschaftspark angelegt.

Die Fretzdorfer Kirche ist ein barocker Fachwerkbau von 1704 mit einem laternenbekrönten Turmaufbau. Unter dem als Winterkirche abgeteilten südlichen Anbau blieb in einem Gruftgewölbe der Sarkophag des Ulrich Christoph von Stille (1654 bis 1728) erhalten, unter dessen Patronat das Gotteshaus entstand.

Frei stehend hinter dem Altar befindet sich die aus der Bauzeit stammende sechseckige Kanzel; als Kanzelträger dient eine lebensgroße, sogfältig gearbeitete Figur des Moses aus Sandstein. In den Brüstungsfeldern des Kanzelkorbes befinden sich Darstellungen Christi und der vier Evangelisten. Der Schalldeckel ist ornamental verziert. Über der Patronatsloge ist ein Allianzwappen der Familien von Stille und von Corel befestigt. Bereits 1788 wird in den Kirchenbüchern eine in Dessau gekaufte Orgel erwähnt; das heutige Instrument schuf genau einhundert Jahre später der Neuruppiner Orgelbauer Albert Hollenbach.

Etwa alle vier Wochen finden in der Fretzdorfer Kirche Gottesdienste der evangelischen Kirchengemeinde statt. Zudem - und das ist für die Region vermutlich einzigartige - feiert hier die katholische Gemeinde regelmäßig sonntags die Heilige Messe.

Im Jahr 2005 wurden die Westfassade und der Turm der Fretzdorfer Kirche saniert. Geldmangel verhinderte damals eine Fortsetzung der Instandsetzungsarbeiten. Wie inzwischen sichtbar ist, wurden die damaligen Reparaturen wohl auch nicht fachgerecht ausgeführt. von den meisten Feldern der Ausfachung bröckelt bereits großflächig der Putz. Das Holz der verwendeten Balken war vermutlich nicht völlig ausgetrocknet; es hat sich zusammengezogen, so dass Leerräume entstanden sind. Eine Sanierung kann also nicht einfach dort weitermachen, wo vor anderthalb Jahrzehnten aufgehört wurde, sondern muss fast noch einmal von vorn beginnen.

Bereits 1998 gründete sich ein rühriger Förderverein, der bereits reichlich Spenden gesammelt hat, der regelmäßig Veranstaltungen organisiert und immer wieder auf die Notwendigkeit zur Beseitigung der Bauschäden hinwies. Durch eine großzügige Förderung aus dem LEADER-Programm der Europäischen Union ist nun die Grundlage für einen Beginn der Arbeiten im kommenden Jahr 2019 geschaffen. Allerdings muss ein nicht geringer Eigenanteil aufgebracht werden, um die Fördersumme abrufen zu können. Der Förderkreis Alte Kirchen beschloss auf seiner Sitzung im Oktober eine Unterstützung des Bauvorhabens aus den Erträgen seiner Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen.

Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Papenbruch; Pfarrer Berthold Schirge; Papenbrucher Dorfstr. 19; 16909 Papenbruch; Tel.: 03394-721322; Mail: pfarramt.papenbruch@gmail.com


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