Die Dorfkirche von Flemsdorf (Uckermark)

 
 Großbildansicht
 Großbildansicht

Auf den ersten Blick wirkt die Feldsteinkirche im uckermärkischen Flemsdorf eher unscheinbar und wenig geheimnisvoll. Zwar fällt der Blick von der Straßenseite auf sauber geschichtetes Mauerwerk aus sorgfältig behaltenen Granitquadern, ein zweifach abgestuftes Eingangsportal und eine scheinbar alte Sonnenuhr, die sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Kopie erweist, die 1993 zur 700-Jahrfeier des Dorfes angebracht wurde. Doch die grauen Betonsteine auf dem Kirchendach und der bröckelnde Putz an dem seltsam gedrungenen Turmaufsatz laden nicht unbedingt zum Besuch ein. Ein wenig fühlt man sich an die etwas gehässige Bemerkung des Prenzlauer Pfarrers und Hobbyhistorikers Rudolf Ohle erinnert, der die uckermärkischen Feldsteinkirchen um 1900 mit den Stationsgebäuden der preußischen Eisenbahn vergleicht: Alle drei Kilometer ist eine zu finden und alle sehen gleich aus…

Ein kurzer Blick in die Geschichte des Dorfes zeigt, dass es sich hier mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Ortsgründung durch flämische Siedler in der Kolonisationszeit des späten 12., frühen 13. Jahrhunderts handelt: Erstmalig urkundlich erwähnt wird der Ort 1293 als "Vleminsdorp", in einer Urkunde aus dem Jahr 1354 ist von "Vlemischdorph" die Rede. Zum sogenannten Stolpirischen Kreis gehörig, war Flemsdorf lange Zeit im Besitz der Patronatsfamilie von Greiffenberg. Die von Greiffenbergs waren es denn auch, die im 18. Jahrhundert den Innenraum der Kirche neu gestalten ließen. Die damals geschaffene Ausstattung prägt den Raum bis heute und lässt den Besucher seinen ersten Eindruck vor dem Betreten der Kirche schnell vergessen und für seine oberflächlichen Gedanken Abbitte leisten.

 
 Großbildansicht

Der 1736 geschaffene hohe Kanzelaltar des Mohriner Bildschnitzers Bernhard Heinrich Hattenkerell ist üppig geschmückt und zeigt eine barocke Pracht, die hierzulande selten zu finden ist. Schwebende Putten tragen den Schalldeckel, über dem die Figur des auferstandenen, zum Himmel fahrenden Christus zu sehen ist. Zwei seitlich aufgebrachte allegorische Figuren stellen wahrscheinlich Gesetz und Evangelium dar. Der reich geschmückte Kanzelkorb wird von laubumwundenen Säulen gerahmt. In der Mitte des Kirchenschiffes schwebt ein relativ kleiner, schön gearbeiteter Taufengel. Als Gegengewicht auf dem Kirchenboden dienen ein Feldstein und zwei eiserne Kanonenkugeln. Die zum Engel gehörende Taufschale aus Zinn ist durch eine Inschrift auf das Jahr 1720 datiert. Die Orgel schuf 1745 der bedeutende Orgelbauer Joachim Wagner, der nur wenige Jahre zuvor bereits im nahen Angermünde tätig gewesen war. Nach mehrfachen Umbauten und Reparaturen ist jedoch nur wenig von der barocken Originalsubstanz erhalten. Ebenfalls in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand das Patronatsgestühl. Die Schnitzfigur einer Pietà stammt aus dem späten 14. Jahrhundert, derzeit jedoch befindet sie sich als Leihgabe in der Katholischen Kirche in Schwedt.

Es ist ein schöner und stimmiger Kirchenraum, der den Besucher des Flemsdorfer Gotteshauses umgibt. Zu sehen ist jedoch auf den ersten Blick, dass die Kirche dringend einer umfassenden Instandsetzung bedarf. Durch Feuchtigkeit im Mauerwerk ist besonders der Turm sehr gefährdet. Der Dachstuhl des Kirchenschiffes bedarf einer Reparatur und lange werden die Betondachsteine wohl nicht mehr halten. Auch im Inneren wäre eine Renovierung nötig, doch erst müssen die Schäden am Baukörper des Kirchengebäudes behoben werden.

Im zur Kirchengemeinde Criewen gehörenden Flemsdorf gibt es noch ganze 30 Gemeindeglieder. Wenn Pfarrer Gunter Ehrlich einmal im Monat hier Gottesdienst hält, kommen in der Regel höchstens fünf oder sechs Teilnehmer. Bei einem Gespräch vor einigen Monaten zeigte sich der Kirchenälteste Bertram Baaske wenig optimistisch und stellte die Frage, ob bei einem derart geringen Interesse die Kirche im Dorf überhaupt noch gebraucht würde. Auch Pfarrer Ehrlich sieht Flemsdorf als das größte Sorgenkind seines Sprengels. In Criewen und Berkholz konnten die Kirchengebäude in den letzten Jahren sorgfältig instandgesetzt werden. Auch für die Kirche im benachbarten Felchow besteht nach jahrelangen Bemühungen und einem wahren Antragsmarathon inzwischen Hoffnung: Hier sollen noch in diesem Jahr die Sanierungsarbeiten beginnen.

Für die wahrhaft gravierenden Bauprobleme der Flemsdorfer Kirche ist noch keine Lösung in Sicht.

Weitere Informationen: Evangelisches Pfarramt Criewen; Pfarrer Gunter Ehrlich; Bernd-von-Arnim-Straße 33; 16303 Schwedt / OT Criewen; Tel.: (0 33 25) 51 46 63; E-Mail: pfarramt-criewen@kirche-uckermark.de
oder auf www.uckermark-kirchen.de
Märkische Oderzeitung vom 01. März 2012: Große Sorgen um Gotteshaus


  zurück