Das Schul- und Bethaus Dretzen (Landkreis Potsdam Mittelmark)

Kirche Dretzen 
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Nur etwa sieben Kilometer von Ziesar entfernt, direkt an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, liegt der kleine Ort Dretzen, in dem heute nicht einmal mehr zweihundert Einwohner leben. Sylke Schmelzer, Dretzenerin und Mitglied im Gemeindekirchenrat, legt jedoch Wert darauf, dass das Durchschnittsalter des Dorfes entgegen dem Landestrend bei nur vierzig Jahren liegt und dass es hier auch etliche junge Familien mit Kindern gibt.

Bis 1967, als hier der Schulbetrieb eingestellt wurde, waren es jährlich immerhin bis zu 50 Kinder, die in Dretzen unterrichtet wurden. Und unter dem selben Dach wurde jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert. Aber auch das ist inzwischen Geschichte: Das Schul- und Bethaus von Dretzen, ein wunderbares Beispiel preußischer Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit, steht leer und verfällt.

Dabei entstand der schlichte, aber ansprechende Ziegelbau erst im Jahr 1908. Im Frühjahr 1893 wurde zwischen den Städten Ziesar und Loburg der Artillerie-Schießplatz Altengrabow angelegt und dafür etliche Orte und Güter vom Militär aufgekauft und geräumt. So verschwanden die Siedlungen Gloine, Klitsche, Mühlengut Altengrabow, Rittergut Briesenthal, Vorwerk Niemeck und das Freigut Thümermark von der Landkarte. In dem Dorf Gloine musste auch die alte Feldsteinkirche aufgegeben werden, in die die Dretzener bisher zum Gottesdienst gegangen waren.

Vermutlich drängten nun die Einwohner von Dretzen darauf, eine eigene Kirche zu bekommen. So entstand ein einfaches Kirchengebäude aus rotem Backstein mit einfachem, aber wirkungsvollem Ziegelschmuck und einem kleinen Dachreiter aus Fachwerk. Im rechten Winkel wurde ein etwas schlichterer Gebäudeteil angesetzt, in dem sich die Schule sowie, im oberen Geschoss, die Lehrerwohnung befanden. Gestiftet und finanziert wurde der Bau vom 1890 gegründeten Evangelischen Kirchenbauverein, mit dem Kaiserin Auguste Viktoria der erstarkenden Sozialdemokratie in Preußen den rechten Glauben entgegen setzen wollte.

Seit längerem jedoch ist das erst Ende 2005 auf die Denkmalliste gesetzte Schul- und Bethaus von Dretzen ungenutzt. Im Schulteil, der noch ein wenig DDR-Charme aufweist, hatte bis 1990 der Rat der Gemeinde sein Büro; ein vergessenes Schild weist noch heute darauf hin, dass die Sprechzeiten jeweils am Dienstag Nachmittag stattfanden. Bescheiden, aber nicht ohne Reiz ist der Kirchensaal. Der Altarraum ist mit einem blauen Sternenhimmel ausgemalt. Ein verstaubtes Harmonium hat bereits bessere Tage erlebt. Auf den ersten Blick etwas deplaciert wirkt die wuchtige Barockkanzel, sie wurde aus der aufgegebenen Kirche von Gloine gerettet.

Das größte Problem stellt der Dachstuhl dar, der über dem Kirchenraum großflächig vom Echten Hausschwamm befallen ist. Nicht gerade einfacher werden Bemühungen um eine Sanierung des Denkmals durch die Eigentumsverhältnisse. Der Betraum gehört der Kirchengemeinde, für den Schulteil ist die Kommune zuständig. Letztere hat inzwischen signalisiert, sich finanziell an der Instandsetzung zu beteiligen. Von Seiten des Kirchenkreises Elbe-Fläming heißt es bisher, dass dafür kein Geld vorhanden sei. Dabei wäre die kleine Kirchengemeinde Buckau / Dretzen bereit, aus dem Verkaufserlös des Buckauer Pfarrhauses 10.000 Euro beizusteuern.

Zusätzlich müssen Fördermittel eingeworben werden, denn selbst mit dem besten Willen ist der finanzielle Umfang der nötigen Bauarbeiten von beiden Partnern allein nicht zu schaffen.

Gemeinsam mit der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin Janett Gobel ist sich die Kirchenälteste Sylke Schmelzer jedoch sicher, dass es zu schaffen ist, das Wahrzeichen von Dretzen zu erhalten. Durch private Spenden ist es möglich geworden, jeden Samstag die Glocken wieder zu läuten. In Eigeninitiative wurde die Kirchentür denkmalgerecht instandgesetzt. Zu Weihnachten wurde ein Herrnhuter Stern aufgehängt. Das mögen auf den ersten Blick Kleinigkeiten sein, für die Einwohner von Dretzen jedoch sind es eindeutige Zeichen, dass ihr Schul- und Bethaus nicht vergessen ist.

Gemeinsam wurde bereits ein anspruchsvolles Nutzungskonzept vorgelegt, wonach das seltene Gebäudeensemble zugleich "ländliches Bildungszentrum für die Dorfbevölkerung" werden als auch "Kirche im Dorf" bleiben soll. In zwei Jahren wird das Dretzener Schul- und Bethaus einhundert Jahre alt. Bis dahin sollen erste Sicherungsmaßnahmen begonnen haben.

Weitere Auskünfte: Sylke Schmelzer; Dretzen 34; 14793 Buckautal; Tel.: (03 38 30) 6 06 58; Mobil: (0175) 8 83 90 48

Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 04. Februar 2009: Eine gemeinsame Kraftanstrengung rettet das Schul- und Bethaus Dretzen vor dem Verfall
Märkische Allgemeine vom 21. Oktober 2009: Der Altarraum der Dretzener Kirche wird originalgetreu restauriert
Märkische Allgemeine vom 19. November 2009: Schul- und Bethaus in Dretzen fertig
Märkische Allgemeine vom 09. August 2011: Kaum saniert und schon nass

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