Die Dorfkirche von Dörrwalde (Landkreis Oberspreewald-Lausitz)

Dorfkirche Dörrwalde   Dorfkirche Dörrwalde - Ölbild  
2010Großbildansicht vor Abtragung des TurmesGroßbildansicht

Fast genau einhundert Jahre nach ihrer feierlichen Einweihung am 29. September 1767 erhielt die Dorfkirche in Dörrwalde eine Orgel. Geschaffen wurde sie 1868 von Johann Gottlob Teschner, der eine Werkstatt in Fürstenwalde unterhielt und den ein Zeitgenosse als "einen rechtlichen, anspruchslosen, sehr fleißigen und in der Kunst vorwärtsstrebenden Mann" beschrieb. Das 1910 von Wilhelm Sauer, Frankfurt/Oder, generalüberholte einmanualige Instrument in Dörrwalde ist denn auch eine grundsolide Dorfkirchenorgel. Nachdem sie lange Zeit nicht spielbar war, konnte sie 2008 von der Firma Sauer vorbildlich restauriert werden und erfreut die Besucher heute in Gottesdiensten und gut besuchten Konzerten.

Der Ort wurde 1410 erstmalig als Dorrewalde erwähnt und lag an der als Handelsweg wichtigen "Zuckerstraße" zwischen Hamburg und Breslau. Erst 1815 kam der Ort mit der übrigen bis dahin sächsischen Niederlausitz im Ergebnis des Wiener Kongresses zum Königreich Preußen. Auf Grund der geographischen Nähe orientierte man sich wohl auch danach eher nach Dresden als nach Berlin. in der DDR-Zeit war Cottbus der wichtigste Bezugspunkt, die Hauptstadt des sogenannten "Energiebezirkes". Dörrwalde lag denn auch im Einzugsbereich des Tagebaus und wurde offiziell zum "Bergbauschutzgebiet" erklärt, was sich auch auf das Kirchengebäude auswirkte.

Lange Zeit mussten die Dörrwalder bei Wind und Wetter zum Gottesdienst nach Senftenberg laufen. Besonders während des Siebenjährigen Krieges wurden oft Gottesdienstgänger überfallen. Taufgesellschaften hatten unter Plünderungen zu leiden. Deshalb beschlossen die dreißig Bauern von Dörrwalde 1766 trotz der hohen Kosten eine eigene Kirche zu bauen.

Das Gotteshaus von Dörrwalde entstand als ein bescheidener barocker Putzbau aus Feld- und Ziegelsteinen. Lediglich der Kirchturm mit dem achteckigen Aufsatz und der geschwungenen Haube mit offener Laterne kündete vom Stolz der Dorfbewohner, endlich ein eigenes Kirchengebäude zu besitzen. Da sie jedoch an einer zu tiefen Stelle im Dorf errichtet worden war, bereitete aufsteigende Feuchtigkeit von Anfang an bauliche Probleme. Nachdem am 17. Dezember 1974 die Nordostecke des Turmes eingestürzt war, wurde der gesamte Turm nur einen Monat später, am 18. Januar 1975, abgebrochen. Da die Umsiedlung und Devastierung des Ortes bereits beschlossene Sache war und notwendige Reparaturen bereits seit längerem nicht mehr genehmigt wurden, schien die Zukunft von Dörrwalde und seiner Kirche besiegelt. Erst 1993 erfolgte der endgültige Beschluss, das Dorf zu erhalten.

Dorfkirche Dörrwalde - Orgel   Dorfkirche Dörrwalde - Altar  
 Großbildansicht  Großbildansicht

Für die Kirche war das die Rettung in allerletzter Minute. Dach und Dachstuhl, die Mauern des Kirchenschiffes, Fenster und Türen wurden instandgesetzt. Bei den Arbeiten wurden barocke Ausmalungen an den hölzernen Einbauten entdeckt und teilweise wieder freigelegt. Auch der Kanzelaltar mit seinen naiven Malereien konnte restauriert werden. Im Kanzelkorb sind neben einer Auferstehungsszene die Evangelisten zu sehen, seitlich davon Moses mit den Gesetzestafeln und Johannes der Täufer - auf die Verbindung zwischen Altem und Neuem Testament hinweisend. Vervollständigt wird der Altaraufsatz heute durch ein von Gemeindemitgliedern liebevoll gesticktes Abendmahlsbild, das in gut-lutherischer Tradition die Predella bildet.

Mit dem Erreichten geben sich die Dörrwalder jedoch noch nicht zufrieden. Im Kirchengebäude, das neben den 14tägig stattfindenden Gottesdiensten und anderen kirchlichen Veranstaltungen auch kulturell genutzt wird, soll eine Toilettenanlage installiert werden. Dörrwalde liegt am "Niederlausitzer Kreisel", einem Netz von Radwanderwegen, das an den Wochenenden zahlreiche Touristen ins Dorf bringt. Diese besuchen gern auch die Kirche und in ihr stattfindende Konzerte. Zudem entstehen in den umliegenden Tagebaurestlöchern zukünftige Badeseen, was den beginnenden Tourismus weiter in Gang bringen soll.

Und - die Gemeinde möchte den alten Kirchturm original wieder aufbauen. Eine ehrgeizige Aufgabe, deren Verwirklichung jedoch näher gerückt ist. Eine Förderung von 75% der Gesamtkosten aus dem ILE-Programm der Europäischen Union wurde in Aussicht gestellt. Nach der ersten Freude stellte sich Ernüchterung ein. Für kirchliche Träger wird die Mehrwertsteuer aus der Gesamtsumme herausgerechnet und muss selbst aufgebracht werden. Bei einer Gesamtsumme von fast einer halben Million Euro lässt sich der Mehraufwand leicht berechnen und ist für die kleine Kirchengemeinde allein nicht aufzubringen. Doch aufgeben will man noch nicht. Gegenwärtig werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zusätzliche Mittel aufzutreiben. Nachdem die Dörrwalder ihre schon abgeschriebene Kirche bereits wieder so weit hergestellt und mit neuem Leben gefüllt haben, sind sie sicher, auch die letzte Hürde zu nehmen, um das alte Dorfbild wieder herzustellen.

Weitere Informationen: Evangelische Kirchengemeinde Großräschen, Pfarrerin Dorothee Lange-Seifert, Frankfurter Str. 20; 01983 Großräschen; Tel.. (03 57 53) 53 21.


Zum Weiterlesen:
Lausitzer Rundschau vom 02. August 2010: In zwei Jahren steht der Dörrwalder Kirchturm
September 2010: Fördermittel des Förderkreises Alte Kirchen für Restaurierun des Altars in Dörrwalde
Lausitzer Rundschau vom 07. Oktober 2010: Kirchturm bringt Leben ins Dorf
Lausitzer Rundschau vom 13. Dezember 2010: Dörrwalder Kirchturm wird neu geplant
Lausitzer Rundschau vom 27. Juni 2011: Dörrwalder Kirchturm wächst in die Höhe
Lausitzer Rundschau vom 22. September 2011: Dörrwalde hat jetzt einen Kirchturm
Lausitzer Rundschau vom 26. Oktober 2011: Dörrwalder Kirche bleibt im Dorf
Mitteilungsblatt Dezember 2011: Der Turmbau zu Dörrwalde
Lausitzer Rundschau vom 25. Juni 2012: Mit Gottvertrauen neuen Dörrwalder Kirchturm erbaut
Lausitzer Rundschau vom 17. Januar 2015: Als Raupen den Kirchturm einrissen
Lausitzer Rundschau vom 02. Juni 2015: Kirchenglocken in Dörrwalde werden am Sonnabend geweiht

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