Die Dorfkirche von Brügge (Prignitz)

 
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Erstmals wird "Brugghe" 1325 in einer Urkunde der Grafen von Lindow erwähnt, die das Dorf dem Herzog von Mecklenburg verpfändeten. Ab 1364 war der zur markgräflich-brandenburgischen Terra Pritzwalk gehörige Ort Brügge dann für über 500 Jahre im Besitz der Familie von Rohr. Die Namensgleichheit des Ortes mit der im heutigen Belgien gelegenen bedeutenden Handelsstadt ist vermutlich nicht zufällig: Ebenso wie im Falle des im Fläming gelegenen Städtchens Brück werden es hier wohl flämische Siedler gewesen sein, die im Zuge der mittelalterlichen Ostsiedlung des 12. und 13. Jahrhunderts den Ort gründeten. Heute zählt das zwischen Pritzwalk und Meyenburg gelegene Rundlingsdorf etwa 150 Einwohner.

Eine Kirche ist in Brügge seit 1697 schriftlich nachgewiesen. Wegen Bauschäden sind bereits für das Jahr 1810 Reparaturen nachgewiesen, was den Verfall des Gebäudes jedoch nur kurzfristig aufhalten konnte. Otto August Alexander von Rohr als Patronatsherr ließ 1862 mehrere Entwürfe für einen Kirchenneubau in Auftrag geben und entschied sich schließlich für die Planungen des noch relativ unbekannten Architekten Reinhold Persius, Sohn des bekannten "Baumeisters des Königs" Ludwig Persius. Eine Rolle bei der Auftragsvergabe könnte auch gespielt haben, dass ein Bruder des Architekten Friedrich Ludwig Paul Persius zur damaligen Zeit Landrat in Kyritz war. Das dortige Landratsamt durfte Reinhold Persius in den Jahren 1865/66 errichten.

Die 1864 fertiggestellte Brügger Kirche ist ein qualitätsvoller, trutzig wirkender neugotischer Feldsteinbau mit polygonaler Apsis und einem imposanten achteckigen Turmaufsatz aus Backstein mit hoher Spitze. Im Innenraum blieben unter dem hölzernen Hängewerk des offenen Dachraums Reste der bauzeitlichen Ausstattung erhalten. Kanzel und Taufstein wurden von dem Potsdamer Bildhauer und Stuckateur Friedrich Wilhelm Koch aus dem damals noch recht neuen Baustoff Portlandzement geschaffen. Die Orgel, von der leider nur noch Reste vorhanden sind, schuf der aus Klosterhäseler bei Naumburg stammende Orgelbauer Johann Friedrich Wilhelm Heerwagen, dessen größtes Instrument noch heute in der Nauener Jacobikirche zu bewundern ist.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Dorfkirche Brügge immer weniger genutzt, was sicher auch mit der Tatsache zu tun hat, dass sich die örtlichen Großbauern nach ihrer Enteignung im Rahmen der Bodenreform in den Westen absetzten, wodurch die Sozialstruktur des Dorfes irreparabel beschädigt wurde. Die Kirche verfiel zusehends, sogar über einen Abbruch wurde nachgedacht.

1997 konnte zwar der Turm der Kirche saniert werden, das Kirchenschiff und der Innenraum jedoch verfielen weiterhin, so dass ein völliger Verlust des denkmalgeschützten Gebäudes nicht mehr ausgeschlossen werden konnte. Erst ein von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Prignitz initiiertes studentisches Projekt der Europa Universität Viadrina brachte ab 2006 wieder Bewegung in die Bemühungen um den Erhalt des Kirchengebäudes. Der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich finanziell an der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes und an ersten Sicherungsarbeiten im Bereich des Daches. Auch im Dorf selbst erwachte das Interesse an dem Mittelpunkt des Dorfes: Immer mehr Einwohner beteiligten sich an Aufräum- und Reinigungsarbeiten. Erste Veranstaltungen wurden durchgeführt; 2007 konnte nach Jahrzehnten erstmals wieder eine Andacht in der Kirche gefeiert werden. Großes Interesse fanden in den letzten beiden Jahren die jeweils im November angebotenen Hubertusmessen. Nach langer Zeit formierte sich, gemeinsam mit dem Nachbarort Halenbeck, wieder ein eigener Gemeindekirchenrat. Mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung konnten die Kirchenfenster erneuert werden.

Ende März dieses Jahres wurde mit 21 Gründungsmitgliedern der Förderverein Persius-Kirche Brügge ins Leben gerufen. Der Verein möchte die positiven Impulse der letzten Jahre aufnehmen und sich für die Sanierung und Erhaltung der Kirche einsetzen, aber auch für deren angemessene Nutzung. Ein in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium in Pritzwalk erarbeitetes Nutzungskonzept bietet dafür erste spannende Ideen.

Im Jahr 2016 wird die Brügger Kirche ihr 150. Jubiläum feiern. Ehrgeiziges Ziel des Vereins ist es, bis dahin das Gebäude komplett instand zu setzen.

Weitere Informationen: Förderverein Persius-Kirche Brügge; Vors.: Georg Zander; Am Bahnhof 3; 16945 Halenbeck-Rohlsdorf / GT Brügge; Tel.: (03 39 86) 5 03 90; E-Mail: georg.zander@zander-brennstoffe.de.


Zum Weiterlesen:
Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung "Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2012"
KiBa-Kirche des Monats Mai 2014
Preisträger 2015 des Brandenburgischen Denkmalpflegepreises
Märkische Allgemeine vom 16. Mai 2011: Brügge macht mobil
Märkische Allgemeine vom 21. April 2012: Förderverein Persiuskirche Brügge wurde gegründet
Märkische Allgemeine vom 28. August 2012: "Die Kirche muss im Dorf bleiben"
Märkische Allgemeine vom 14. November 2012: Zwei Ehrenmitglieder ernannt
Märkische Allgemeine vom 10. September 2013: Dachsanierung gesichert
Märkische Allgemeine vom 14. Mai 2014: Innen und außen ein Stahlgerüst
Märkische Allgemeine vom 18. Mai 2016: Brügge: Kirchengebäude feiert Jubiläum
Märkische Allgemeine vom 01. Juni 2016: Brügger feiern 150 Jahre Persiuskirche
Märkische Allgemeine vom 11. September 2016: Landesdenkmaltag in der Persiuskirche eröffnet


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