Die Dorfkirche von Bölzke (Landkreis Prignitz)

 
 

Das Dorf Bölzke gehörte seit dem Mittelalter zum Eigentum des Zisterzienserinnenklosters Heiligengrabe. Im Dreißigjährigen Krieg fiel der Ort wüst und konnte erst 1667 durch einige Bauernfamilien wieder besiedelt werden.

Der Vorgängerbau der heutigen Kirche war zu Anfang des 19. Jahrhunderts bereits so baufällig, dass der Pfarrer sich mehrfach bei der Äbtissin von Heiligengrabe, die das Patronat über den Kirchenbau innehatte, beklagte. Um die Sicherheit der Gemeinde fürchtend, spreche er jedes mal ein Vaterunser, wenn alle heil die Kirche wieder verlassen hätten. Die Äbtissin bot großzügig an, die Gemeindeglieder könnten zum Gottesdienst in die sechs Kilometer entfernte Stiftskirche kommen. Dort könnten sie wenigstens jede Woche eine ordentliche Predigt hören.

Nachdem die Bölzker aus dem Besitz des Klosters entlassen waren, mussten sie sich allein um ihre Kirche kümmern. Über den Abriss des Vorgängerbaus ist nichts bekannt. Bis 1825 wurde ein einfacher dreiachsiger Fachwerkbau mit einem Dachtürmchen errichtet, in dem die flache Holzdecke auf sichtbaren Balken ruht. Der Rokoko-Kanzelaltar von Meister Grothe und das zinnerne Altargerät wurden vermutlich aus der ersten Bölzker Kirche übernommen.

Bereits im Jahr nach der Fertigstellung des Kirchengebäudes zeigten sich jedoch die ersten Baumängel. Vor den Westgiebel musste eine Backsteinwand gesetzt werden, um den Bau zu stabilisieren.

Auch heute weist die malerisch auf dem Anger des kleinen Rundlingsdorfes gelegene Kirche schwere Baumängel auf. Nachdem die Bölzker Kirche bereits längere Zeit nicht mehr gottesdienstlich genutzt wurde, nahmen sich gleich zwei Vereine des Gotteshauses an. Zunächst gründete sich im Jahr 1995 der Verein "Bunte Wiese Langnow", der die denkmalgeschützte Kirche über einen Pachtvertrag in seine Trägerschaft übernahm und soziokulturelle Veranstaltungen durchführte. 1998 dann formierte sich der Förderverein zum Erhalt der Bölzker Kirche, dessen Zielsetzung eine lebendige Mitte - eben die Kirche im Dorf - ist. Der Förderkreis Alte Kirchen würdigte die Vereinsarbeit in Bölzke bereits 1999 mit einem Förderpreis "Initiativen für Brandenburgische Dorfkirchen".

 
Bücherzelle

Es gelang, an der renommierten Kulturreihe "Prignitz-Sommer" teilzunehmen. Im Rahmen der Aktion "Ein Eichenwald für die Bölzker Kirche" wurden unter der Anleitung des Revierförsters 12.000 Eichen gepflanzt, was ein erkleckliches Sümmchen für die Vereinskasse erbrachte. Ausstellungen wurden organisiert, Konzerte, Kino in der Kirche und regelmäßig Feste im Jahreskreis für das ganze Dorf. Geführte Kirchenradtouren in die nähere und weitere Umgebung sind eine beliebte Tradition geworden. Im Rahmen des vom Förderkreis Alte Kirchen durchgeführten und von der Kulturstiftung des Bundes finanzierten Projektes "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" entstand neben der Bölzker Kirche unter anderem eine "Bücherzelle". In einer ausgedienten Telefonzelle können Besucher sich nun kostenfrei Bücher zum Lesen mitnehmen oder eigene Bücer weitergeben.

Dass die Kirche schwere Bauschäden aufwies, war in Bölzke seit langem klar. Wie schlimm es tatsächlich war, brachte im Jahr 2006 ein Gutachten ans Licht, nach dem die Kirche akut vom Einsturz bedroht sei. Mit Bauholz, das vom Stiftsforst Heiligengrabe zur Verfügung gestellt wurde, konnte eine notdürftige Stützkonstruktion eingebracht werden. Eine Nutzung der Kirche war deshalb nur äußerst eingeschränkt möglich und die umfassende Sanierung unvermeidlich. Der Bölzker Verein reichte ein Konzept zur Förderung beim Landwirtschaftsministerium ein, das den kleinen idyllischen Ort an der Kreuzung mehrerer Routen des sanften Tourismus in der Region mit einer Ausstellung etabliert, die dem Informationsbedürfnis der Bewohner und Besucher nachkommt. Kurz vor Weihnachten kam die erfreuliche Nachricht, dass die Gelder für die Instandsetzung der Bölzker Kirche und die Erstellung einer Ausstellung zum Pilgerwesen im ländlichen Raum zur Verfügung stehen. Der Bölzker Verein muss 25% der Gesamtkosten als Eigenanteil aufbringen. Möglich ist dies unter anderem durch den Einsatz von Mitteln der Arbeitsförderung, aber auch der Förderkreis Alte Kirchen wird sich an den Baukosten beteiligen.

Bereits im Frühjahr sollen die Arbeiten an dem Kirchengebäude beginnen und noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Entstehen soll in einer strukturschwachen Region ein soziales und kulturelles Zentrum, das weit über den Ort Bölzke hinaus wirkt.


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 03. Februar 2010: Förderbescheid erteilt
Märkische Allgemeine vom 03. April 2010: Wiederauferstehung in Bölzke
Märkische Allgemeine vom 06. September 2010: In Bölzke wurde die Turmzier gefüllt
Märkische Allgemeine vom 05. Februar 2011: Die Bölzker haben viel vor
Märkische Allgemeine vom 28. Juni 2011: Radelnde Wallfahrer
Märkische Allgemeine vom 25. August 2011: Auf dem Weg zum Pilgerort
Märkische Allgemeine vom 29. August 2011: Schmucker Mittelpunkt des Dorfes
Mitteilungsblatt September 2011: "...den Stab nehmen" und Neues entdecken
Märkische Allgemeine vom 12. März 2012: Vortrag über Taufengel in Bölzke
Märkische Allgemeine vom 05. Juni 2012: „Bölzke-Beats“ und Erdbeerbowle
Mitteilungsblatt Juni 2012: Eine unsichtbare Heizleiste sorgt für ein konstantes Raumklima
Märkische Allgemeine vom 15. November 2016: Personalwechsel beim Förderverein

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