Dorfkirche Blindow (Uckermark)

Dorfkirche Blindow Dorfkirche Blindow - Altaraufsatz 
Dorfkirche BlindowGroßbildansichtHölzerner Altaraufsatz von 1607Großbildansicht

Das heutige Landschaftsbild der Uckermark von der Schorfheide im Süden über die kargen Sandwälder der Gegend um Templin bis zu den fruchtbaren Böden im Norden und Nordosten wurde weitgehend von der letzten Eiszeit geformt. Mit den Eismassen wurden gewaltige Mengen von Steinen transportiert, die dann in den Zeiten der Kolonisierung als Baumaterial für die in jedem der Dörfer entstehenden Kirchenbauten verwandt wurden.

Eine dieser mittelalterlichen Feldsteinkirchen finden wir in Blindow, nur wenige Kilometer nördlich von Prenzlau. Aus der Entstehungszeit sind die Spitzbogenblenden am Ostgiebel erhalten. Die Fenster in ihrer jetzigen Form wurden erst um 1885 vergrößert. Noch später, in den Jahren bis 1917, wurde der morsch gewordene Turm neu aufgebaut und erhielt den mit englischem Schiefer gedeckten Spitzhelm. Von den drei vorhandenen Glocken mussten die zwei größeren im selben Jahr zum Einschmelzen abgeliefert werden. Zwei Soldaten zerschlugen sie zum Abtransport vor Ort, nachdem sie ein letztes Mal geläutet wurden. Deutsche Geschichte in einem kleinen uckermärkischen Dorf...

Beim Betreten des Kirchenraumes ist schnell zu bemerken, dass wegen schwerer Bauschäden hier schon seit längerem keine Gottesdienste oder andere Veranstaltungen der zahlenmäßig kleinen Blindower Kirchengemeinde stattfinden konnten. Trotzdem sind hier Ausstattungsstücke erhalten geblieben, die einer intensiveren Betrachtung wert sind:

Der hölzerne Altaraufsatz ist ein aufwändiges Werk der Spätrenaissance und stammt aus dem Jahre 1607. Die nach dem 2. Weltkrieg eingefügte Notverglasung in der Apsis färbt den Altar in einen weichen Gelbton. Durch Säulen gegliedert, zeigt der Mittelschrein Reliefs mit Abbildungen des Abendmahls, der Kreuzigung und der Auferstehung.

Vermutlich zeitgleich entstand die hölzerne Kanzel. An dem ursprünglich auf einer Säule ruhenden, heute auf einer einfachen Balkenlage abgestellten Kanzelkorb befinden sich als Schmuck vier Wappenkartuschen: Im Jahre 1749 sind das Prenzlauer, das Brandenburgische, das Preußische und das alte Reichswappen angebracht worden. Deutsche Geschichte in einem kleinen uckermärkischen Dorf...

Das älteste Stück in der Blindower Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert: der Taufstein ist ein für diese Region seltener großer Sandsteinkessel in Dreipassform, geschmückt mit Spitzbögen und Blattwerk.

Hausschwamm

Wenn wir uns nun, vor dem Altarraum stehend, umwenden, fällt der Blick auf die neobarocke Kulisse des Orgelprospekts. Wer weiß, wann diese Orgel zum letzten Male gespielt wurde? An den Emporen im Westen und Norden des Kirchenraumes ist dann das größte Problem dieses Kirchengebäudes zu besichtigen: Wie auf einem Foto im Lehrbuch für Holzschutz-Sachverständige zieht sich das Myzel des Echten Hausschwamms über die Einbauten.

Noch vor Ende diesen Jahres sollen die dringend notwendigen Arbeiten zur Bekämpfung des Hausschwamms ausgeführt werden. Pfarrer Jürgen Ouart aus Prenzlau, seit kurzem auch für die Blindower Gemeinde zuständig, begründet die Eile mit den umfassenden Instandsetzungsarbeiten, die für das kommende Jahr geplant seien. Für 2003 mache man sich begründete Hoffnungen auf Fördergelder zur Dachsanierung. Außerdem müsse der Hausschwamm daran gehindert werden in einem weiteren warmen und feuchten Sommer auch auf die anderen Teile des Inventars überzugreifen.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg stellt aus dem Geldpreis, der mit der Vergabe des "Brandenburgischen Denkmalpflegepreises 2002" verbunden ist, 4.000 EUR für die Schwammsanierung zur Verfügung. Helfen auch Sie, die weitere Geschichte der Blindower Dorfkirche zu einer positiven zu machen!

Informationen erhalten Sie über: Pfarrer Jürgen Ouart; Tel.: 0 39 84 22 22


Nachträge:
Bereits 1993 wurde der Förderverein Baudenkmal Blindower Kirche e.V. gegründet.
Mitteilungsblatt November 2005: Den gefährlichen Schwamm besiegt

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