Die Dorfkirche von Bischdorf (Oberspreewald-Lausitz)

Fotos: Dr. Hans KragGroßbildansicht

Im zu Ende gehenden Jahr 2015 feierten die Bischdorfer das 600-jährige Jubiläum ihres Ortes mit einem beeindruckenden Festumzug. Zwischen den zahlreichen Festwagen befand sich auch ein von Hand gezogener Anhänger mit einem Kirchenmodell und dem Spruch "Die Kirche bleibt im Dorf!", begleitet auch von Pfarrerin Martina Schmidt im Talar.

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Erstmals schriftlich erwähnt wurde Bischofsdorff 1415. Der ursprüngliche Ortsname lässt die Mitwirkung eines Bischofs (von Meißen?) bei der Anlage des Dorfes vermuten, während die sorbische Bezeichnung der Siedlung Wotšowe vermutlich eine kleine Insel bezeichnete. Bis 1815 gehörte Bischdorf je zur Hälfte zu Sachsen und zu Brandenburg-Preußen; die Dorfstraße stellte die Grenze dar. Im Ergebnis des Wiener Kongresses kam dann die gesamte Markgrafschaft Niederlausitz 1815 zum Königreich Preußen; Bischdorf wurde dem neu gegründeten Kreis Calau zugeordnet. Bereits seit den 1960er Jahren wurde in der Umgebung Bischdorfs Braunkohle gefördert; 1984 musste ein Teil des Dorfes dem Tagebau Seese-Ost weichen: 49 Menschen wurden umgesiedelt, ihre Häuser fielen den Baggern zum Opfer. Nachdem Seese-Ost wegen mangelnder Rentabilität stillgelegt worden war, entstand durch Flutung des "Restloches" bis 2013 der Bischdorfer See, durch den die Industriebrache zu einem Naherholungsgebiet umgestaltet werden soll. Nachdem die Gefahr der vollständigen Devastierung gebannt war, wurden in den 1990er Jahren der Dorfanger neu gestaltet, die Dorfstraße neu gepflastert und die ehemalige Schule zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. Im Jahr 2005 gewann Bischdorf den Landeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". Seit 2003 gehört Bischdorf als Ortsteil zur Stadt Lübbenau.

Die Bischdorfer Kirche ist ein wohl noch im 14. Jahrhundert entstandener Feldsteinbau. 1881 fand ein Umbau statt, bei dem anstelle eines maroden Glockenturms auch der jetzige hohe neugotische Backsteinturm mit seiner achteckigen Spitze entstand. Neben der Kirche erinnert ein Kriegerdenkmal mit der Darstellung eines trauernden Soldaten daran, dass zwölf junge Männer aus Bischdorf im Ersten Weltkrieg und sogar fünfundzwanzig im Zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten. Auf dem Kirchhof erinnert ein Gedenkstein an die Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990.

Der stimmige Innenraum mit der flachen Holzdecke und einer Orgelempore im Westen wurde nach Kriegsbeschädigungen 1947 durch den Kirchenmaler Paul Thol neu ausgemalt. Während die Bretterdecke durch florale Schablonenmalerei gestaltet wurde, wählte Thol für die Emporenfelder biblische Motive. Der qualitätsvolle Altaraufsatz von 1713 zeigt zwischen üppigem barocken Blattwerk und diversen Wappenschilden der ehemaligen Patronatsfamilien eine Kreuzigungsszene. Zeitgleich mit dem Retabel entstand die polygonale Kanzel, deren Korb Malereien der vier Evangelisten schmücken und die mit einem evangelischen Beichtstuhl verbunden ist.

Die Bischdorfer Kirchengemeinde hat sich, unterstützt durch eine erstaunliche Spendenbereitschaft im Dorf, immer bemüht, notwendige Reparaturen zügig ausführen zu lassen. So wurden 1994 die Fenster instandgesetzt und 2005 Kanzel und Altar restauriert. Gegenwärtig weisen jedoch große Teile der Dachkonstruktion und des Dachstuhls schwere Schädigungen durch Feuchtigkeit auf. Betroffen davon ist auch die bemalte Holzdecke, die durch Fäulnis teilweise einzubrechen droht. Grund für die Schäden ist vermutlich Kondenswasser, das sich bei Temperaturschwankungen bildet, da der Dachraum keine funktionierende Belüftung aufweist. Notwendig ist eine Komplettsanierung der Dachkonstruktion und der Deckung. Durch eine Förderung aus dem Staatskirchenvertrag, Eigenmittel der Kirchengemeinde und Zuschüsse vom Kirchenkreis und der Landeskirche wird es 2016 möglich sein, die notwendigen Reparaturarbeiten durchzuführen. Neben der Stiftung KiBa wird sich auch der Förderkreis Alte Kirchen an der Finanzierung beteiligen.

Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Kalkwitz; Pfarrerin Martina Schmidt; Wiesenstraße 7; 03205 Calau, OT Kalkwitz; Tel.: 03541-2421; Privat: 03541-8874655; Mail: dtkalk@freenet.de


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