Die Dorfkirche von Bagemühl (Landkreis Uckermark)

Kirche Bagemühl 
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 Bagemühl - innen
Quelle: www.kirchengemeinde-bruessow.de

Zum Erntedankgottesdienst in Bagemühl, bei dem auch die Wiedereinweihung der seit Jahren bauaufsichtlich gesperrten Kirche gefeiert wurde, konnten 163 Besucher gezählt werden mehr als das Dorf im äußersten Nordosten der Uckermark Einwohner besitzt.

Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung, 1433, gehörte "Bagemyle" zum Schloss Löcknitz. Später erhielt die Familie von Buch den Ort als kurfürstliches Lehen. Ab 1680 schließlich gehörte Bagemühl zum kurfürstlichen Amt Löcknitz.

Von der mittelalterlichen Granitquaderkirche sind nur noch Reste der Umfassungsmauern erhalten. Zwischen 1873 und 1877 erfolgte ein wesentlich vergrößerter Kirchenneubau als neugotischer Feldsteinsaal mit polygonaler Apsis aus Backstein. Dem Kirchenschiff wurde im Westen ein schlanker, schiefergedeckter Turm vorgesetzt. Auch die einfach gehaltene Ausstattung Altar, Kanzel und Taufe zeigt die neugotischen Formen der Bauzeit.

Im Jahr 1982 erfolgte eine Neueindeckung des Kirchendaches mit Betonsteinen. Eine umfassende Instandsetzung des Dachstuhls jedoch war zu dieser Zeit nicht möglich. Bautechnische Mängel bei der Konstruktion des Ortgangs (seitlicher Abschluss der Dachfläche am senkrecht stehenden Giebel) und anhaltende Undichtigkeiten in der Dachfläche führten zu derart massiven Bauschäden, dass die Bagemühler Kirche 2002 gesperrt werden musste. Unter der Deckenschalung hatte sich großflächig Hausschwamm gebildet. Eingezogene Spannstähle waren nicht mehr funktionsfähig. Es bestand Einsturzgefahr.

Im Jahr 2007 wurde es dann möglich, mit der Reparatur der Dachkonstruktion zu beginnen. Aufgrund der riesigen Dachfläche war eine Finanzierung nur in zwei Bauabschnitten möglich. Vor wenigen Tagen konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Neben zahlreichen weiteren Geldgebern beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg mit insgesamt 4.500 Euro an den Sicherungsmaßnahmen.

Um die Bagemühler Kirche endgültig baulich zu sichern, sind weitere Bauabschnitte dringend nötig. Durch die Sanierung des Dachstuhls ist jedoch erst einmal die akute Gefahr gebannt und eine Nutzung wieder möglich geworden.

Vielleicht wird ja in absehbarer Zeit auch die ausgelagerte Orgel zurückkehren. 1877 schuf der Stettiner Orgelbauer Barnim Grünewald für die Bagemühler Kirche ein "durchaus lobens- und empfehlenswertes" Instrument, das "zur Führung des Gemeinde-Gesangs nicht unwesentlich beitragen" sollte. Wegen des einsturzgefährdeten Kirchendaches wurde die Orgel vor einigen Jahren als Leihgabe an das Baltische Orgel Centrum Stralsund gegeben, wo sie gereinigt sowie um fehlende Prospektpfeifen ergänzt wurde und hin und wieder zu kleinen Konzerten genutzt wird.

Zimmermann Ritzki und Pfarrer Tuve 
Zimmermann Ritzki und Pfr. Tuve
Foto: Gemeinde

Der Einweihungsgottesdienst am vergangenen Wochenende wurde, dem Anlass entsprechend, festlich begangen, musikalisch unterstützt von Gemeinde- und Posaunenchor. Am Abendmahl nahm auch ein Ehepaar aus Bagemühl teil, das damit ihren Wiedereintritt in die Kirche vollzog. Durch eine Zuwendung der Sparkasse Uckermark war es möglich, kurzfristig eines der fünf farbigen Apsisfenster zu restaurieren, die um 1900 entstanden. Die restlichen zwei sanierungsbedürftigen Fenster werden in den nächsten Monaten restauriert; es konnten inzwischen auch hierfür Spender gefunden werden: die Sparkasse (7.000 Euro) und die Pommersche Ev. Kirche (2.500 Euro).

Nach Festgottesdienst und opulenter Kaffeetafel zog es die Bagemühler und ihre Gäste in die Gaststätte "Zur Linde", die nach langem Leerstand im Frühjahr wieder öffnete und nun von einem polnischen Gastwirt betrieben wird. Anhand einer Diaschau konnten hier die aufwändigen Arbeiten zur Instandsetzung des Kirchengebäudes noch einmal in Augenschein genommen werden.

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